Aus dem Archiv: Lustangst, Ende der Freiheit


Es gibt in der Operngeschichte nur eine einzige Oper, die sich auf der Höhe von Sigmund Freuds Theorie bewegt. Zugleich beschreibt sie die ungeheure Energie, die in den Millionen kleinen Familien im Deutschland der Inflationszeit entstand, nämlich dann, wenn sämtliche libidinösen Kräfte und die Notwehr im wirtschaftlichen Überlebenskampf zusammenwirken. Hier entstehen die Eigenschaften, die man den Charakterpanzer nennt. Zugleich entsteht die Fernliebe. Ich kann das, was ich liebe, in meiner Nähe nicht ertragen. „Was ich liebe, muß fern sein, wie das Himmelreich“. Für den glücklichen Alltag ist dies nichts Praktisches. Peter Mussbach hat die seit 1933 verschollene, erfolgreiche Oper DER FERNE KLANG von Franz Schreker in der Berliner Oper Unter den Linden neu inszeniert. Den in der Handlung der Oper abgebildeten Charakterpanzer nennt er eine Höllenmaschine. Sie bringt im Leben Unglück und in der Zeitgeschichte den Faschismus hervor.

► Lustangst, Ende der Freiheit (10 vor 11 vom 2002-06-24)


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► Kontrapunkt

Pierre Boulez, Jahrgang 1925, gehört als Komponist zu den markanten Gestalten der Moderne. Es gibt keine Revolution in der Musikavantgarde seit 1950, die nicht Boulez zu ihrem Anführer hatte. Daneben hat Boulez in den U.S.A., in England und am Südwestfunk Baden-Baden Orchester geleitet. In Bayreuth dirigierte er den von Chéreau inszenierten „Ring des Nibelungen“. Dieses Jahr leitete in Salzburg „Moses und Aaron“ von Arnold Schönberg. Pierre Boulez spricht über seine Arbeitserfahrungen und sein Leben.


► „Als die Götter die Augen öffneten —„

Über André Gides Novelle „Theseus“ und Ernst Schnabels Roman „Ich und die Könige“, der vom Baumeister Dädalus handelt. Mit Originalkompositionen von Frank Michael Beyer und Darius Milhaud. Es wird erzählt, wie Dädalus, der Baumeister des Labyrinths, den Götterstatuen die Augen öffent und wie der Sohn des Königs von Athen elend umkommt.


► Das Glück der späten Heimkehr

1956 holte Konrad Adenauer die letzten deutschen Kriegs – gefangenen nach Hause: die Spätheimkehrer. Mozart beschrieb in der ersten seiner großen Opern ein erschütterndes Heimkehrer-Schicksal aus der Antike: Aus Troja kehrt nach 20 Jahren Krieg König IDOMENEO nach Kreta zurück. Es kommet zu einer „Verwirrung der Gefühle“. Mit einer starken Musik.