Neu auf dctp.tv: Goldgräberjahre der Gamma-Astronomie


 
In der Milchstraße namens M87, 60 Millionen Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt, existiert ein supermassives Schwarzes Loch von einer Milliarde Sonnenmasse. Die resoluten Gammastrahl-Stöße, die die Erde von den Rändern des Schwarzen Loches erreichen, bilden in der Stratosphäre Kaskaden zertrümmerter Teilchen. Diese Kaskaden werden von vier Tscherenkow-Teleskopen beobachtet und registriert, die im Hochland von Namibia mit Blick auf das Zentrum unserer Milchstraße und auf die Stratosphäre aufgestellt sind. Gammastrahlung gilt als die durchdringendste elektromagnetische Strahlung im Kosmos. Ihre Erforschung macht in den letzten Jahren rasante Fortschritte. Die Astronomen, die sich mit diesem Forschungsbereich befassen, haben Goldgräberjahre.

Prof. Dr. Dieter Horns, Astronom und Gammastrahlen-Physiker an der Uni Hamburg, berichtet.

► Goldgräberjahre der Gamma-Astronomie (10 vor 11 vom 01.09.2008)

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► Kometenfabriken

Die Astronomie von heute marschiert auf einem Siegeszug. Mit ihren in großer Höhe in Chile aufgestellten Alma-Antennen der Europäischen Süd-Sternwarte sieht sie weit in die Welt der Milchstraßen hinaus. Sie ist in der Lage, die Strahlung millimetergroßer Partikel in einer „Staubfalle“ im Sternbild des Ophiuchos (des Schlangenträgers) zu beobachten. Dadurch kann man (was Galilei nicht konnte) in Momentaufnahme beobachten, wie sich Staubteilchen zusammenfügen, Klumpen bilden, die Größe von Kometen und später von Planeten erreichen. Den Vorgang hatten schon Immanuel Kant und der Astronom La Place vorhergesagt. Wie aber Staubteilchen davon abgehalten werden einfach in die Sonne zu stürzen und über die prekäre Grenze eines Quadratmeters (an der sie erneut zerfallen müssten) hinauszuwachsen, davon berichtet der Schweizer Astrophysiker und Privatdozent Dr. Simon Bruderer, von der Universitätssternwarte der Universität München.


► Gigantische Stürme fegen Galaxien leer

In 1,5 Millionen Kilometer Entfernung zieht das Infrarot-Teleskop Herschel hinter unserem Planeten Erde dahin. Es ist stationär, weil es sich an einem Lagrange-Punkt aufhält, wo die Kräfte von Erde, Mond und Sonne einander gerade aufheben. Es beobachtet gewaltige Schockwellen von Jets, die aus der Mitte fusionierender Galaxien und von explodierenden Sternen ausgehen. Vor allem aber vermag es kühle Objekte zu beobachten, z.B. Planeten, die irdische Temperaturen aufweisen und sich um ferne Sonnen bewegen. Das Gas, das aus den Galaxien herausgeblasen wird, hat Geschwindigkeiten von bis zu 1.000km pro Sekunde. Da, wo gigantische Stürme die Galaxien leerfegen, entstehen keine neuen Sonnen. Dr. Eckhard Sturm über neueste Beobachtungen des Herschel-Teleskops.


► Astronomie und Revolution

Zum Ende des 18. Jahrhunderts entsteht in Europa eine Rasanz der Zeit. Industrielle und politische Revolution erscheinen am Horizont. Wo bleiben die alten Götter? Dies ist die Welt, der sich Friedrich Hölderlin gegenüber sieht. Als Student im Tübinger Stift, auf einer Studentenstube mit Hegel und Schelling, nimmt er an diesem UMBRUCH DER ZEITEN mit seiner ganzen Phantasie teil. Die Zeitenwende dokumentiert sich auch im neuen französischen Revolutionskalender. Das Jahr 1 beginnt mit dem Tag der Schlacht von Valmy. Die Monate sind nach den Jahreszeiten benannt. In Kolonnen von je 10 Tagen (an jedem 10. Tag ein Fest) tritt die neue Zeit heran. Die Dekade ersetzt die siebentägige Woche. Mit eindrucksstarken, hymnischen und poetischen Texten nimmt Hölderlin am rasanten Fortschritt der Zeit ebenso teil wie er mit seiner Seele 3.000 Jahre nach rückwärts nach dem Überleben der Götter und der „wahren Zeiten“ sucht. Gemeinsamer Nenner von neuer Zeit und uraltem Kosmos sind die Gestirne, die die Astronomie erforscht. Sie diktieren den eigentlichen Kalender.

Prof. Dr. Alexander Honold, Universität Basel, über sein eindrucksvolles Buch „Hölderlins Kalender / Astronomie und Revolution um 1800“, Verlag VORWERK, Berlin.


► Der Neutrinojäger

Wie in einem See schwimmen die sichtbaren Sterne in der Masse der bisher noch unbekannten Dunklen Materie. Nicht-wechselwirkende schwere Objekte, die Neutralinos (anders als die extrem leichten Neutrinos), gelten neuerdings als Kandidaten für den Nachweis dieser geheimnisvollen Naturkraft. Christian Spiering, DESY/Zeuthen, ist erfahrener Neutrino-Forscher. Es geht um Boten, die mühelos unsere Erde, die Sonne und den Kosmos durchqueren und die Nachricht in sich tragen vom Anfang des Weltalls und vom Schicksal von Milliarden Galaxien und Supermilchstraßen. Begegnung mit dem Neutrinojäger Prof. Dr. Christian Spiering.


► Ein Stück Mensch fliegt immer mit!

Der Sputnik war der Stolz Russlands. Noch immer fliegen im Orbit krisenfrei Raumfahrzeuge und Satelliten, die in Russland starteten. Einer der Gründe für diesen Erfolg liegt darin, dass zwischen den Sternen und dem russischen Volk ein gegenseitiger Respekt besteht. Die Astro-Ingenieurin Olga Orgakowa berichtet. Galina Antoschewskaja als Astro-Ingenieurin.