Aus dem Archiv: Hongkong 1997


 
Im Sommer 1997 wird die ehemalige Kronkolonie Hongkong an die Volksrepublik China übergeben. Wie wird dieser turbulente Motor des Kapitalismus im 21. Jahrhundert unter neuer Verwaltung aussehen? In den „Ungleichen Verträgen“ mit China, die den Opiumkrieg beendeten, erpresste England 1841 die Übereignung einer dünn besiedelten Pirateninsel: Hongkong. 1898 pachtete das Britische Imperium ein Stück Hinterland auf 99 Jahre hinzu. Hieraus entstand eine Metropole der Welt mit überaus rasantem Wachstum. Im Sommer 1997 wird dieses Prunkstück des Kapitalismus an die Volksrepublik China Übergeben.

Peter Satorius, Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung, berichtet.

► Hongkong 1997 (News & Stories vom 17.02.1997)


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► Die Opiumkriege

Die Opiumkriege (1840 bis 1868) waren Präventivschläge des Westens gegen China. Sie entstanden in dem Moment, in dem sich chinesische Behörden gegen den Opium-Import durch britische Kaufleute wehrten. Sie endeten mit der Öffnung der chinesischen Häfen für den Opiumhandel und andere Westwaren, mit der Abtretung Hongkongs und dem Autoritätsverlust der chinesischen Kaiser. Die machtvolle Modernisierung, die China im 20. Jahrhundert erlebte, und die aus China heute einen Faktor der Weltwirtschaft machen, heißt es, resultiert aus dieser ursprünglichen Demütigung.


► Eine Weltmacht kehrt zurück

Das Zentrum der Weltwirtschaft und der Weltpolitik, das um 1900 noch eurozentrisch war, wandert heute aus nach Asien. China wird im Jahr 2020 über die stärkste Wirtschaft der Welt verfügen. Konrad Seitz, ehemals Leiter der Planungsbeteiligung des auswärtigen Amtes und Botschafter in China, berichtet davon in seinem neuen Buch CHINA-EINE WELTMACHT KEHRT ZURÜCK.


► Verratene Ideale

Eine der seltsamsten Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts war die Chinesische Kulturrevolution. Von ihr handelt der Film „Morning Sun“ von Carma Hinton und Geremie R. Barmé (Australien). Die erregenden Bilder dieser Dokumentation zeigen eine „Revolution innerhalb der Revolution“, die teils spontan, teils von oben angeordnet war, zahllose Opfer kostete und in ihren Einzelheiten immer noch unbekannt ist. Es geht um verratene Ideale. Zugleich aber auch um den selbstbewussten Aufbruch einer neuen Generation, der scheiterte.


► Das Projekt der Moderne im „Wilden Osten“

Es ist wenig bekannt, dass der 2. Weltkrieg nicht erst im September 1939, sondern 8 Jahre früher in der Mandschurei als Krieg zwischen Japan und China ausbrach. Zum gefährlichen Machtdreieck zwischen Japan, China und Russland im Fernen Osten gehörte als Rückgrat und als Symbol das Projekt der ostchinesischen Eisenbahn. Ursprünglich war sie ein Ableger der Transsibirischen Eisenbahn und in russischem Besitz. Sie bildete mit der Transsib ein „T“, das bis Port Arthur reichte. Alles das ging als Folge des für Japan siegreichen Kriegs gegen Russland im Jahr 1904 verloren. Die Bahntrasse ging später in japanischen Besitz über und gehörte zum Projekt der Moderne im „Wilden Osten“, der Mandschurei. Was heute von Silicon Valley erwartet wird, wurde damals von dem Gelände rechts und links dieser Eisenbahnstrecke erwartet. Auf ihr zuckelten von Dampflokomotiven gezogene traditionelle russische Waggons, während auf den Gleisen gegenüber der legendäre japanische Asia-Fernexpress dahinjagte. Im verglasten Salonwagen dieses futuristischen Zugs (mit Blick vom Heck) hatte man eine Aussicht wie aus einem Raumschiff. Dr. Sören Urbansky, LMU München, berichtet über Eisenbahntrassen und Imperien: das Projekt der Moderne im „Wilden Osten“.