In Gedenken an Hannelore Elsner

Ich finde, die Rollen müssen mich finden

Hannelore Elsner war Schauspielerin in großen Filmen des Autorenkinos. Bei Tremper, Reitz, Brustellin und vielen anderen. All ihre Anhänger überraschte sie aber ins Oskar Roehlers Film DIE UNBERÜHRBARE. In diesem Film spielt sie eine imponierende Frau, die lieber im großen Stil untergeht, als ihr Format zu verlieren: Hanna Flanders. Vorbild ist das tragische Ende der Schriftstellerin Gisela Elsner, Mitglied der GRUPPE 47, Vor-Achtundsechzigerin und Mutter des Regisseurs Oskar Roehler. Hannelore Elsners Darstellung gibt, zugleich mit dieser Frau, der “verlorenen Generation” der Vor-Achtundsechziger, die in vielem kritischer war, als alles was folgte, einen großen Glanz. Der Film schlägt eine Brücke zwischen Generationen, die einander nicht mehr kennen. Ein Portrait der Schauspielerin Hannelore Elsner aus Anlaß ihres Films und auf dem Hintergrund ihrer lebenslänglichen Tätigkeit als Schauspielerin.

► Ich finde, die Rollen müssen mich finden (News & Stories vom 17.09.2000)

 

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► Die Unberührbare

Es gehört zu den seltenen Ereignissen, daß Filme aus Deutschland zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes eingeladen werden. Oskar Roehlers S/W-Film wurde spontan eingeladen. Er erhielt den diesjährigen Bundesfilmpreis in Gold. In dem Film beschreibt Oskar Roehler das grandiose Ende seiner Mutter, der Schriftstellerin Gisela Elsner, die zur Gruppe 47 gehörte. Wie in dem Roman DON QUICHOTE, ist die Darstellung gleichzeitig tragisch, komisch, liebevoll und kritisch. Die Stärke des Films liegt darin, daß wenige, einzelne Eigenschaften dieser imponierenden Frau herausgegriffen und in den Rhythmus des Films umgesetzt werden. Die Stärke des Films liegt in seiner Abstraktion. Die Schauspielerin Hannelore Elsner hat in bewundernswerter Weise dieses Raster mit Leben ausgefüllt. Oskar Roehler schafft eine Brücke zu jener Generation, die der der 68er vorausging. Die Ideale dieser Generation und die enormen Lebensenergien paßten kurze Zeit später schon nicht mehr auf die veränderte Zeit (“Zeitentzug”). Requiem für eine “verlorene Generation”.


► Zweite Heimat Hollywood

Armin Mueller-Stahl spielt einen Filmregisseur, der während der Dreharbeiten erblindet und einen seiner schönsten Filme dreht. Über diesen Blick von Innen nach Außen und die Globalisierung der inneren Seite des Menschen geht es im vorliegenden Gespräch. Der Schauspieler, Schriftsteller, Geiger und Maler Armin Mueller-Stahl gehört zu den wenigen deutschen Künstlern, die in Hollywood auf gleicher Augenhöhe mit der internationalen Schauspieler-Prominenz arbeitet. In Deutschland hinterließ seine Darstellung von Thomas Mann einen starken Eindruck.


► Eine freie Radikale des Kinos

Tilda Swinton ist eine ungewöhnlich unabhängige Filmemacherin, Schauspielerin und Künstlerin. Sie entstammt einer Jahrhunderte alten Offiziersfamilie in Schottland. Neun Jahre arbeitete sie mit dem Filmemacher Derek Jarman zusammen. Von ihm erwarb sie das unabhängige Selbstbewusstsein. In der Physik sind die “freien Radikalen” die Elixiere des Lebens. So etwas gibt es auch als Temperament im Kino. Wenn es je eine Erneuerung des Films geben wird, dann wird Tilda Swinton mit dabei sein. Vor kurzem erhielt sie den Oscar.
 


► Es zeigt sich alles an der Oberfläche

Die Schauspielerin und Sängerin Sophie Rois, ein Star, 1961 in Österreich geboren, im Gespräch über Marx, Homer, Liebe und Geld. Der Pianist Czaikowski begleitet sie mit Melodien von Bellini und Verdi. Das Reich der Freiheit, heißt es bei Karl Marx, ist wie ein riesenhafter Kristall gebaut: luxuriöse Oberfläche. “Ein Mensch ist dem anderen ein Luxus”. Oder wie Marx es an anderer Stelle sagt: “Ein Mensch ist des anderen Spiegel”.
 


► Die Liebe hat eine zähe Natur

Die Schauspielerin Shu Qi ist ein großer Kinostar. In ihrem Film “Three times” spielt sie eine ihrer schwierigsten Rollen: es geht um 3 verschiedene Frauen, in drei Phasen der chinesischen Geschichte (1911, 1966 und heute). Die Liebe erweist sich als ein robustes Lebewesen, das in allen Epochen überlebt oder wieder aufersteht. Begegnung mit dem Kinostar Shu Qi, Mitglied der Internationalen Jury der Filmfestspiele in Berlin.