Ausstellung: HYPER! A JOURNEY INTO ART AND MUSIC, Deichtorhallen Hamburg

HYPER DIARIES #1
Für sein Ausstellungsprojekt HYPER! in den Deichtorhallen erzählt der Kurator und Autor MAX DAX in zehn Teilen vom Dialog zwischen Kunst und Musik.

Im Gespräch mit Alexander Kluge erklärte dieser in wenigen Sätzen das Wesen des Gedankenaustauschs: »Je mehr man fragen kann, desto mehr wird man zum Anwalt auf der Seite des Lesers, da man quasi stellvertretend für den Leser fragt. Man steht auf der Seite der menschlichen Gefühle, die ja im übertragenen Sinne aus Splittern bestehen.«

»Die Gefühle verlangen, dass man mitunter erfundene Geschichten erzählt. Das aber kann nur die Literatur, das kann der Journalismus nicht. Mehr noch: Das Gespräch ist eine notwendige Erzählform der Moderne. Das Interview ist eine Seitenform des Gesprächs. Zugleich ist es die unter Menschen geläufigste Art der Kommunikation. Das Schöne an Gesprächen ist, dass sie in der Regel kreisförmig sind oder elliptisch, dass man auf zuvor Gesagtes zurückkommt, Erzähltes verfeinert, sich gemeinsam an etwas annähert. Ich mag es lieber, wenn zwei Menschen miteinander reden, als wenn einer mir erzählt.«

Aneinander interessiert zu sein, bedeutet in einen Dialog zu treten. Man kann das auch im übertragenen Sinne verstehen: Ein Musiker kann an den Funktionsweisen des Kunstbetriebes und an den Maltechniken von Gemälden interessiert sein, um daraus gewonnene Erkenntnisse in seine Kompositionen oder seine Bühnenperformances einfließen zu lassen. Oder ein Maler stellt sich die berechtigte Frage, weshalb Musik, die über Massenmedien wie Schallplatten oder das Radio verbreitet wird, oft leichter, weniger akademisch, zugänglicher daher kommt, obwohl es sich doch in beiden Fällen um Künste handelt, die, so könnte man annehmen, sich doch stets auf die Welt und das Ich oder meinetwegen auf die Liebe und das Politische beziehen.

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HYPER! A JOURNEY INTO ART AND MUSIC
Deichtorhallen Hamburg, Halle für aktuelle Kunst
01. März – 4. August 2019

Die Ausstellung HYPER! wird für die Besucher ein umfassendes Ausstellungserlebnis mit über 300 Werken darstellen: Neben Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und Rauminstallationen, die sich seitens der bildenden Kunst mit Musik befassen, wird es zahlreiche hybride Multimedia-Arbeiten geben, die den Wechselbezug zwischen Musik, Video und bildender Kunst ausloten. Moderne Klassiker wie Peter Savilles berühmtes dysfunktionales Riesen-Billboard zur Bewerbung von New Orders Technique-Album oder die Gemälde Emil Schults, die 1974 die Basis zu Kraftwerks Autobahn-Cover darstellten, treffen auf atemberaubende 3D-Videoinstallationen wie Nightlife (2015) von Cyprien Gaillard oder die verstörend funktionalen Powerbanks-Skulpturen von Britta Thie.

Der Einfluss von Richard Wagner auf das Werk des 2010 verstorbenen Aktionskünstlers Christoph Schlingensief wird ebenso zu sehen sein, wie Alexander Kluges Video-Kommentar dazu. Positionen von Daniel Richter, Sarah Morris und Bettina Scholz stehen für einen unterschiedlichen Einfluss von Musik auf die Malerei, Fotografien von Andrea Stappert, Sven Marquardt und Richard Prince und Videoarbeiten von Mark Leckey, KLF, Nora Lawrenz und Bettina Pousttchi erweitern die Ausstellung ins Dokumentarische/Multimediale.

KÜNSTLER*INNEN DER AUSSTELLUNG
Daniel Blumberg, Cosima von Bonin, Rutherford Chang, Phil Collins, Kevin Cummins, Den Sorte Skole, Marcel Dettmann & Friederike von Rauch, FSK, Cyprien Gaillard, GAS, Isa Genzken, Kim Gordon, Juro Grau, Andreas Gursky, Catherine Christer Hennix, Arthur Jafa, Sven-Åke Johansson, Scott King, Peter Knoch, Kreidler, Nora Lawrenz, Mark Leckey, Julien Lescoeur, Arto Lindsay, Luci Lux, Sven Marquardt, Michaela Melián, Radenko Milak, Sarah Morris, Wolfgang Müller & Tabea Blumenschein, Olaf Nicolai, Albert Oehlen, Palais Schaumburg, Steven Parrino, Bettina Pousttchi, Richard Prince, Friederike von Rauch, Daniel Richter, Thomas Ruff, Peter Saville, Thomas Scheibitz, Christoph Schlingensief & Alexander Kluge & Richard Wagner, Bettina Scholz, Kristof Schreuf, Emil Schult, Andrea Stappert, Henning Strassburger, The KLF, Britta Thie, Wolfgang Tillmans, Philip Topolovac, Rosemarie Trockel & Thea Djordjadze, André Vida, Wolfgang Voigt, Mason Williams, Lena Willikens & Sarah Szczesny, Rolf Zander & Asmus Tietchens.

► Mehr Informationen zur Ausstellung

 

Sehen Sie dazu auch auf dctp.tv:

► Richard Wagner: Das Kraftwerk der Gefühle

Richard Wagner besitzt unter den Komponisten eine Alleinstellung. Mit ihm erfolgte der Durchbruch von der Romantik in die Moderne. In 13 Beiträgen geht es um die Vielfalt Richard Wagners. Mit Beiträgen der Bayerischen Staatsoper München, der Staatsoper Stuttgart, des Theaters Meiningen, des Theaters Duisburg, der Staatsoper Unter den Linden Berlin. Mit Dirigenten wie Kent Nagano, Lothar Zagrosek und mit Regisseuren wie Calixto Bieito, Christoph Nel, Peter Konwitschny und Werner Schroeter. Peter Berling spielt den Leibarzt Wagners, der dessen Todesfahrt von Venedig nach Bayreuth begleitete. Tilman Spengler berichtet über “Wagner als Familientier”. Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, bringt unter Leitung von Frank Castorf eine Inszenierung der “Meistersinger von Nürnberg”, die man als anti-bayreuthisch charakterisieren kann. Ein Doppelprogramm von 90 Minuten.


► Der Mensch ist eine Bombe

Wir treffen Christoph Schlingensief inmitten der Dreharbeiten zu seinem Projekt U-3000. Die Anstrengung hat ihn erschöpft. Eine gute Atmosphäre für ein Gespräch. Oft wird in der Öffentlichkeit, sagt Christoph Schlingensief, nach Bomben gesucht, die Terroristen versteckt haben. Vielleicht aber, fragt Schlingensief, ist der Mensch selbst eine Bombe? Die Show U-3000 von Christoph Schlingensief findet in einer fahrenden U-Bahn statt. Von Endstation zu Endstation. Ein ruhiges Gespräch mit Christoph Schlingensief in einem Augenblick geglückter Erschöpfung. Unterhaltend und metropolitan.


► Mein Idealzuschauer ist jung und weiblich

Anlässlich seines Films “Texas” lässt sich der Musiker Helge Schneider in seinem Eigenheim in Mülheim von dem Filmemacher Christoph Schlingensief befragen. Anschließend singen sie gemeinsam.