Neu im Catch-up Service: Seelen-Verkehrsampel mit Musik

Christoph Marthalers Abschiedsrevue an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Christoph Marthaler ist ein Durch-und-Durch-Musiker von besonderem Format.  Berühmter Regisseur, ursprünglich Oboist. Seine Arbeiten sind nicht zu trennen von seinem Stab an ständigen Mitarbeitern, die zu einem kreativen Organismus über Jahrzehnte hin zusammengewachsen sind. Regelmäßig arbeitete Marthaler, der selbst Chef des Zürcher Schauspielhauses war, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, jenem natürlichen Attraktor für besondere Begabungen, künstlerische Wagnisse und Abweichungen vom Schema. Diesem Theater gilt Marthalers neueste Revue: „Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter“.

Das Bühnenbild zeigt einen Museumsraum, der sukzessive ausgeräumt wird. Mit Palastartig. Fahrstuhl. Bühnenbild und Kostüme: Anna Viebrock („Bühnenbildnerin des Jahres“), die mit Marthaler unzertrennlich zusammenarbeitet. Der riesige Bühnenraum füllt sich im Verlauf des Abends auf zauberhafte Weise mit Slapstick, filmartigem  Rhythmus, Tänzen des ganzen Ensembles und vor allem mit purer Musik. Sophie Rois mit großem Chanson, Irm Herrmanns Auftritte, die R.W. Fassbinder und Christoph Schlingensief vom Tode wieder auferwecken. Scheinbar einfache Lieder wie „In einem kühlen Grunde“ und „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ (vom ganzen Ensemble geflüstert) hat man so noch nie gehört. Musiken aus der Zeit Shakespeares mischen sich mit Tönen von Arnold Schönberg, mit Tango und Rap. Man hat das lange noch im Ohr, weil es, so gesungen, ungewöhnlich ist. Selbst der Freiheitschor von der Hitliste aus Verdis NABUCCO klingt diesmal neu.

Christoph Marthaler nennt seine Revue einen „Abschied“. Man wünscht sich, dass es zu solchem Ende nicht kommt.

► Legendäre Fälle von Seenot (News & Stories, Sendung vom 10.01.2017)


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► Mein Chor und ich

roisIn dem Drama “Ein Chor irrt sich gewaltig”, Text und Regie René Pollesch, spielt Sophie Rois die Rolle der Traviata. Ihr Liebhaber, der Tenor Alfredo, wird von einem zahlenstarken Frauenchor gespielt, der die Sängerin umgibt. Der einzige Mann in dieser Inszenierung spielt die Mutter der Traviata. Eindrücke aus der Aufführung der Volksbühne im Prater zu Berlin.


► Die Meistersinger von Berlin

Man nennt die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin, die vierte Berliner Oper. Jetzt brachte dieses Theater Richard Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG in einer besonderen Besetzung heraus: mit fünf Bläsern, zwei Klavieren, Schauspielern, sowie einem Tenor. Es singen und spielen Sophie Rois (Eva), Bernd Schütt (Hans Sachs), Max Hopp (Beckmesser); sämtliche Mitarbeiter der Volksbühne (Verwaltung, Bühne, Technik) bilden den Chor.

Regie: Frank Castorf. Bühne und Kostüme: Jonathan Meese. Musikalische Konzeption und Leitung: Christoph Homberger, Christoph Keller, Stefan Wirth.

Die überraschende und großartige Aufführung zeigt Wagners Werk ungekürzt. Es erweisen sich gerade in dieser Besetzung die überragenden Qualitäten Wagners. Es geht um Sinnlichkeit, bürgerliche Tugend, Revolution, Egozentrik und die deutsche Kunst. In der ausgedünnten Fassung: schlank und ohne Plüsch!

Eine komische Oper für Hartgesottene.


► Liebe härter als Beton

Marx zitiert Goethes Faust-Text über das Geld: “Wenn ich mir 24 Hengste leisten kann, habe ich die Kraft von 24 Hengsten.” Auf dem Gebiet der Liebe ist das nicht wahr. Geld lässt sich stapeln, Liebe nicht. Das Wichtigste im menschlichen Leben kann man für Geld nicht kaufen!

Ein Gespräch mit dem Star Sophie Rois über die “Währungen der Liebe”, sowie über Medea, eine Frau, die zu kämpfen weiß. Liebe im Sinne von Frauen ist etwas ganz anderes, als wir meinen, sagt Sophie Rois.