"Vorsicht vor zu raschem Verstehen"
Spannendes Gespräch mit Niklas Luhmann. Neben Jürgen Habermas gilt Niklas Luhmann als einer der interessantesten und konsequentesten Denker in Deutschland. Seine Gedanken werden weltweit diskutiert. Kern seiner Philosophie ist ein radikales Beharren auf Unterscheidungsvermögen. Es sind die Unterscheidungen, Spiegelungen, Echos und mögliche Umkehrungen, die die Maschinerien der Gedanken in Tätigkeit versetzen und in Produktivität halten: "Niemand kann etwas beobachten, wenn er es nicht unterscheidet". In dem Gespräch warnt Niklas Luhmann: "Vorsicht vor zu raschem Verstehen".
"Das schnelle Pferd des Gedankens"
Der Philosoph, Soziologe und Naturwissenschaftler, Prof. Dr. Wang-Hui in Peking, gilt als der "chinesische Habermas". Sein besonderes Interesse widmet er der Rekonstruktion und Verankerung der Phänomene des 21. Jahrhunderts in der 4.000-jährigen Tradition Chinas. Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt zeigt sich die Differenz zwischen europäischem und chinesischem Denken, wobei die Worte und Begriffe, auch wenn sie ähnlich oder gleich klingen, etwas höchst Verschiedenes bezeichnen können. Akzeptiert man aber diese Verschiedenheit, entsteht Verständigung.
In dem Gespräch mit Wang-Hui geht es um die Phänomene „Masse“, „Staat“, „Liebe“, „Gemeinwesen“ und „Sprache“. Schon die Namen großer europäischer Philosophen erhalten in der chinesischen Sprache eine interessante Bedeutung. So heißt Karl Marx wörtlich übersetzt „das schnelle Pferd des Gedankens“, Immanuel Kant heißt „der große und körperlich robuste Tugendhafte“, Hegel kann man mit „das tiefe Meer“ übersetzen.
Begegnung mit Wang-Hui und seinen „lebendigen Begriffen“.
"Aristoteles, Steuermann des Denkens"
Aristoteles, jünger als Plato, stellt dessen Ideenlehre vom Kopf auf die Füße. Seele und Sinn liegen nicht im Ideenhimmel, sondern inmitten aller Einzelheiten und Besonderheiten unserer Welt. Philosophie ist nicht allgemein, sondern konkret.
Das reiche Erbe, das in den Werken von Aristoteles niedergelegt ist (nur etwa die Hälfte seiner Texte blieb erhalten) erreichte Europa im Hochmittelalter, nicht direkt aus der Antike, sondern über die arabischen Philosophen Spaniens. Ein erneuter Aristoteles-Schub fand in der Renaissance statt, als – nach Einnahme ihrer Stadt durch die Osmanen - wichtige Gelehrte aus Byzanz nach Italien flohen. Überraschend ist vor allem die Modernität im Denken des Aristoteles.
Der Philologe und Aristoteles-Forscher Prof. Dr. Hellmut Flashar berichtet über den zeitlosen Realisten.
"Was sind Uhren in der Politik?"
Leben ist langsam wie der Pulsschlag. Politik funktioniert wie ein Zeitraffer. Gibt es politische Uhren? Die Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein, Heide Simonis, auch vorgeschlagen als mögliche Bundespräsidentin, Doris Schröder-Köpf, in ihren Kontakten angewiesen auf das Zeitbudget ihres Mannes und der als Bundespräsident nominierte Johannes Rau über Zeitmaße im Leben und in der Politik.