Neu im Catch-up Service: Dunkle Haut, blaue Augen

Prof. Dr. Johannes Krause: „Genetisch sind wir Europäer Afrikaner“

Alle Menschen außerhalb Afrikas tragen zwei Prozent Gene der Neandertaler in sich, gleich ob Indianer, Japaner oder Europäer.

Im Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena sind die Forscher in der Lage, alle wesentlichen Bewegungen von Bevölkerungen und Vorfahren in der Welt auf genetischen Landkarten einzutragen. Genauer als durch die Migrationen der Sprache oder durch archäologische Funde zeigen die kleinen Unterschiede in der DNA, welche Bewegungen von Menschengruppen in der Vorgeschichte, in der es noch keine schriftlichen Zeugnisse gab, stattfanden. Was ist die Herkunft von uns Europäern?

Alle Europäer kommen aus Afrika. Die frühen Einwanderer der Gattung Homo Sapiens aus Süden und Südosten nach Europa hatten dunkle Hautfarbe, aber blaue Augen. Erst der Sonnenmangel des Nordens, der Hunger nach Vitamin D, das über die Haut aufgenommen wird, gab dem Albino-Typ der „Weißen“ einen evolutionären Vorteil. Das alles geschah vor Äonen bis zu 120.000 Jahren vor unserer Zeit. Um 40.000 vor Christus erfolgte dann ein enormer Zuzug erfahrener Ackerbauer aus den Gebieten, die heute Syrien und Mesopotamien heißen. Die ursprünglichen Jäger und Sammler Europas verschwanden bis auf wenige Prozent. Mit einem Schub berittener Steppenvölker aus dem Osten, an Viehhaltung gewohnt, um 3.000 vor Christus entstand eine weitere genetische Dominanz. Erst in dieser Zeit verbreitet sich die Laktose-Toleranz, sodass wir Milch trinken können. Von der Urbevölkerung Europas tragen wir alle Spuren in uns. Als geschlossene Gruppe sind sie nur noch im Baskenland, bei den Sarden und – durch den Eisschrank der Alpen erhalten – in den Genen Ötzis präsent. Europa, ein großer Kessel an Mischung, Überlagerung und Variation. Das vielleicht macht Europa so zäh und lebendig.

Prof. Dr. Johannes Krause, der den Denissow-Menschen in Russland entdeckte, eine dritte Spezies des Menschen neben Homo Sapiens und dem Neandertaler, Direktor der Abteilung Archäogenetik des Max-Planck-Instituts in Jena, über die genetische Herkunft der Europäer.

► Dunkle Haut, blaue Augen (News & Stories, Sendung vom 14.03.2017)


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► Die Wanderung ins Eiszeitland

Der Ursprung unserer Gattung Homo Sapiens liegt, wie man weiß, in Afrika. Es war aber nicht Not, sondern ein Überschuss an Wasser, der die Menschen und die Tiere, von deren Jagd sie lebten, nach Norden trieb: Wasserreichtum begünstigte die Tsetse-Fliege, die die Schlafkrankheit auslöst. Die Notwendigkeit, den nahrhaften Herden und Großtieren zu folgen, war mit Trägheit, Mattigkeit und Schlaf, den Kennzeichen jener Krankheit, nicht vereinbar. Nur die überlebten, die sich auf die Wanderung nach Norden machten.

Die Grenzzonen zum Eis im Norden, in denen der Homo Sapiens auf den Neandertaler traf, brachten für das Überleben keine schlechten Zeiten. In der Kälte hielten sich Fleischstücke länger. Der Eiszeit-Boden war fruchtbar. Gefrorene Grundwasser transportierten die lebenswichtigen Nährstoffe nicht rasch ins Meer.
Noch immer, sagt der Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef H. Reichholf, entspricht unser Stoffwechsel, der sich bei 29 Grad Celsius im Gleichgewicht befindet, andernfalls schwitzt oder mit Pelz oder Wolle gewärmt werden muss, dem Klima in Afrika, aus dem wir kommen.


► Das ist mein Gesicht

Thomas Allen Harris, geboren in der Bronx, aufgewachsen in Afrika, Absolvent von Harvard, ist Filmemacher und Hochschullehrer für Medien an der University of California in San Diego. Für seinen ungewöhnlichen Film THAT’S MY FACE (Das ist mein Gesicht) hat er 10 Jahre lang gedreht. Es geht ihm um das GEHEIMNISVOLLE GESICHT Afrikas, das sich in den beiden Amerikas (den USA und Lateinamerika) zeigt, wenn man auf die Stimmen der Vorfahren hört und anerkennt, dass Menschen in Wahrheit in parallelen Universen leben.


► Unser ferner Spiegel: Menschen der Steinzeit

Vor etwa 70.000 Jahren wurde die Gattung Homo Sapiens durch einen Vulkanausbruch, wie er nur alle zwei Millionen Jahre stattfindet, in ihrem Ursprungsland Afrika bis auf etwa 7.000 Exemplare ausgelöscht. Für die evolutionäre Entwicklung war das ein Nadelöhr. Die Menschen, die durch diesen Engpass hindurchfanden, sind unsere Vorfahren. Solche Völker leben noch heute.

Der Arzt, Anthropologe und Humangenetiker Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel, der in Neuguinea ein solches Steinzeitvolk mehr als sieben Jahre lang erforschte, berichtet.