Neu im Catch-up Service: Im Reich des Mahdi

“Ein Aufstand der Seelen, der Europa erschreckte”

Vieles, was wir an dem IS in Syrien und im Irak nicht verstehen, hat einen Vorläufer im sogenannten Mahdi-Aufstand von 1881-1899. Die Rebellion im Namen Allahs gegen den Westen erfasste den gesamten Sudan. Das Britische Imperium samt Verbündeten braucht fast zwei Jahrzehnte, um diesen islamischen Aufstand wirksam zu unterdrücken. Der britische Generalgouverneur Gordon wurde in Khartum von den Glaubenskriegern belagert und am Ende massakriert. Der charismatische Führer des Aufstandes nannte sich Mahdi (das ist ein „Bote Allahs“, ein Verkünder). Nach seinem Tod begründete der Nachfolger ein Kalifat. An Grausamkeit fehlte es weder den europäischen Maschinengewehren, noch den Säbeln der rabiaten Islamisten. Karl May schrieb den Roman „Im Reich des Mahdi“, weil alle Welt sich mit diesem Aufstand befasste. An der Schlacht von Omdurman, welche die Rebellion beendete, nahm Winston Churchill als junger Leutnant teil. Zwischen diesem Mahdi-Aufstand und dem Krieg der IS findet sich eine ununterbrochene Kette muslimischer Rebellionen gegen den Westen (in Europa meist unbekannt).

Prof. Dr. Erhard Oeser, Universität Wien, berichtet.

► Im Reich des Mahdi (News & Stories, Sendung vom 20.01.2016)


Literaturempfehlung

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Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi: Aufstieg und Untergang des ersten islamischen Gottesstaates 1885-1897

1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen Ermordung des britischen Generals Charles Gordon. Die Anhänger des Mahdi Mohammed Ahmed errichteten den ersten islamischen Gottesstaat und schotteten den Sudan über 12 Jahre gänzlich von der Umwelt ab. Erst der Rachefeldzug Lord Kitcheners machte dieser historischen Episode ein Ende, die zu Recht als Geburtsstunde des islamischen Fundamentalismus gesehen werden kann.
Erhard Oeser erzählt anschaulich Aufstieg und Fall des Mahdi-Reiches. Er stützt sich dabei auch auf die Berichte zweier Gefangenen des Mahdi, die seinerzeit in Europa weite Verbreitung fanden und von Queen Victoria und Winston Churchill ebenso gelesen wurden wie von Karl May. Die Gefangenen konnten die innere Struktur dieses ersten islamischen Gottesstaates aus leidvoller Erfahrung genauestens schildern. Heute, angesichts der Geburtsstunde neuer Staaten in Nordafrika, gewinnt dieses Vorspiel des politischen Islam eine ganz neue Aktualität.

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► MSC: Wieviel Krisen verträgt die Welt?

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Auf der Münchner Sicherheitskonferenz versammeln sich in jedem Jahr die für die Sicherheit in der Welt verantwortlichen Politiker, Militärs und Experten (neuerdings auch zunehmend führende Wirtschaftler) im Bayrischen Hof. Die Konferenz bildet eine einmalige politische Öffentlichkeit, in der Teilnehmer, die sonst oft Gegner sind, miteinander debattieren. Die vertraulichen Gespräche am Rande der Konferenz sind oft ebenso wichtig wie die öffentlich geführten Diskussionen.

Die Konferenz wird heute vom früheren Botschafter Wolfgang Ischinger geleitet. Sie wurde unter dem Namen „Wehrkundetagung“ in den Jahren nach 1963 durch Ewald-Heinrich von Kleist begründet, der zum engsten Kreis des Widerstands gegen Hitler zählte. Das Jahr der ersten Tagung war das von Kennedys Tod und bezeichnet die Zeit des Kalten Kriegs. Als die Konferenz zum 25. Mal stattfand, war das unmittelbar vor der Wende. Im Jahr 2014 fand die Konferenz zum 50. Mal statt. Die Themen Syrien, der europäische Einsatz in Afrika, der Aufstieg Chinas und die Ukraine standen im Vordergrund. Es war die vorläufig letzte offene Debatte vor dem allseitigen Zerwürfnis mit Russland.

Aus Anlass des Jubiläums der Konferenz zeigt die vorliegende Doppelsendung Momenteindrücke aus den Jahren 2000 bis 2014. Unter Mitwirkung von Wolfgang Ohlert, Dr. Anton Hofreiter, dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz, Henry Kissinger, Jamie Shea, Dimitri Rogosin, Admiral Edmund P. Giambastiani, Christophe Keckeis, Thomas Schmid, dem Konferenzarzt Dr. med. Günter Hauf, Botschafter Julij A. Kwizinskij., Richard Perle („Prince of Darkness“), U.S.-Senator Sam Nunn (aus der Gruppe der „Apokalyptischen Reiter“), Botschafter Richard Burt, Botschafter Richard Holbrook und einem Beitrag von Helge Schneider zum Thema: „Das Bohren harter Bretter“.


► Die Formen des Bösen

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Über hunderte von Jahren bestand Souveränität der Herrschaft in der genauen Bezeichnung des Feindes. Der fundamentalistische Terror gefährdet von zwei Seiten diese Souveränität: Er bedroht das Wirtschaftlichkeitsverhältnis und das Recht. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert, sagt Prof. Dr. Joseph Vogl von der Bauhaus-Universität, entsteht ein politisches Zwielicht, wie es für sich verändernde Gesellschaften charakteristisch ist.

Es entstehen neue Formen des Bösen. Es wird deutlich, dass das Böse zugleich auf phantastischen Vorstellungen beruht.


► Buchhaltung des Terrors

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Der Journalist Georg Mascolo, ehemaliger “SPIEGEL”-Chefredakteur und Leiter eines Investigativ-Teams von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ), befasst sich mit seinen Mitarbeitern schwerpunktmäßig mit Fakten aus dem Umkreis des IS, der anscheinend derzeit schlagkräftigsten unter den bekannten Terrorgruppen in der Welt. Im Irak recherchierte und überprüfte er Unterlagen, aus denen sich eine merkwürdig präzise bürokratische Struktur des “Islamischen Staates” ergibt. Hier gibt es z. B. eine Registratur und Buchhaltung über Selbstmordattentate. Was macht die IS so gefährlich? Wie kommt es zu grauenhaften Vorgängen wie der Verbrennung des Piloten der jordanischen Luftwaffe, der am 24. Dezember 2014, also zu Heiligabend, abstürzte und von der IS gefangengenommen wurde? Was macht den islamischen Fanatismus so attraktiv für europäische Anhänger, die sich vom IS rekrutieren lassen?
Eine absurde Verknüpfung ist es, dass die ehemaligen Militärs und die Geheimdienstleute von Saddam Hussein, nachdem sie aus der Armee entlassen und inhaftiert waren, sich mit den religiösen Fanatikern des IS, darunter al-Baghdadi, in einem Gefängnis der USA im Irak zusammenfanden. Vor dem Einmarsch Buschs in den Irak gab es keine Al-Quaida in nennenswerter Zahl in Mesopotamien, auch keine des IS. Erst in den Lagern und Gefängnissen bildete sich “eine Hochschule des Terrors”, “eine Schule des Kriegs”, die Zusammenarbeit zwischen Ex-Hussein-Militärexperten und aggressiven Islamisten. Dies ist der Kern des IS.

Georg Mascolo berichtet.