Film der Woche: Der Schwarze Freitag 1929

Diesen Samstag jährt sich der berühmt, berüchtige Schwarze Freitag vom 25. Oktober 1929 zum 85. Mal. Der wesentliche Tag, der die Wirtschaftskrise und das Ende der Goldenen 20er Jahre einleitete, war allerdings ein Donnerstag. Und erst am Dienstag der darauf folgenden Woche war der Börsencrash endgültig besiegelt, weil ein Banker auf Baisse verkaufte. Die Depression hatte 1932 ihren Tiefpunkt und reichte bis zum II. Weltkrieg.
Sehen sie dazu eine Kurzfilm-Collage mit Musik der Pop-Band Gustav (mit Eva Jantschitsch)

► Der Schwarze Freitag 1929


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► Geld und Charakter

geld-charakterDie Beziehung zwischen Reichtum und Geld auf der einen Seite und dem menschlichen Charakter auf der anderen Seite wird in den verschiedenen Jahrhunderten sehr unterschiedlich betrachtet. Im Mittelalter und der Neuzeit gibt es das Bild der soliden Bankiers (wie die Fugger), aber auch das des Geizhalses und des Wucherers. Die Melancholiker, in ihrer Abstinenz gegenüber dem Genuss, erscheinen als Gegenteil des Prassers und daher zu Geld und Verfügungsmacht über Reichtum zu passen. Die in der Literatur, den Lebensläufen und der öffentlichen Meinung um 1900 beobachteten Charaktereigenschaften sind davon verschieden. Der Soziologe Max Weber und der Philosoph Georg Simmel, der eine Theorie des Geldes schrieb, portraitieren neuartige Charaktere, die in Staat und Wirtschaft vorherrschen. Am Sockel reicher Familien gibt es aber auch die Dandys und die Spieler. Es entsteht der Typ, der das Spekulationsgeschäft beherrscht. Auf der anderen Seite sind die Gründer von Industrien und die Eisenbahnkönige durch das Objekt, mit dem sie umgehen, auf Charakterzüge der Kontinuität angewiesen.

Was sind Kennzeichen heutiger Charaktere, die mit Geld und wirtschaftlicher Verfügungsmacht umgehen? Sie sind, sagt der Literaturwissenschaftler Joseph Vogl von der Humboldt-Universität zu Berlin, durch die Veränderungen der Raumwelten und vor allem der Zeitwelten auf unserem Planeten im 21. Jahrhundert geprägt. Auf die Fähigkeit, mit diesen kollektiven „Zeitschwingungen“ (als Beschleuniger oder Verlangsamer) umzugehen, kommt es für Führungskräfte an. Hier entscheidet sich ihre Modernität. Ein Problem liegt darin, dass an das Führungspersonal widersprüchliche Anforderungen gestellt werden, deren Erfüllung sich ausschließt. Hier treten, sagt Vogl, „Masken der Humanität“ an die Stelle des Charakters.

Begegnung mit Joseph Vogl, dem Verfasser von DAS GESPENST DES KAPITALS.

Spannend und informativ.


► Das Jahr 1929

1929Hans Magnus Enzensberger ist im Jahr 1929 geboren. Das ist auch das Jahr, in dem der Schwarze Freitag stattfand. Enzensberger über die Turbulenz dieses Jahres.

 
 
 
 
 
 


► Angriff der Zukunft auf die Gegenwart

angriff-der-zukunftDie große Finanzkrise wird vielfach mit dem Crash von 1929 verglichen. Näher liegt der Vergleich z.B. mit dem Zusammenbruch der Bank Bear Stearns oder Lehman Brothers mit der Havarie des Kernkraftwerke Tschernobyl oder Harrisburg. In diesem Zusammenhang ist zu unterscheiden zwischen Risiken, die durch Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Mathematik des Grenzwertsatzes näher bestimmt werden können, und purem Nichtwissen, das mit keinerlei mathematischen Formeln oder geschäftlichen Tricks ausgeglichen werden kann.

Der Soziologe Jakob Arnoldi sagt: Die tiefere Ursache der Finanzkrise liegt im System der Ausgrenzung des sog. “Framing”. In überkomplexen Technologien müssen Teile der Realität unbeachtet bleiben, damit überhaupt gehandelt werden kann. Was aber dabei ausgegrenzt wird, unterliegt bisher keiner hinreichenden Aufmerksamkeit. Wenn es in diesen Bereichen zu Fehlern oder Unfällen kommt, dann sind die Konsequenzen unvorhersehbar. Die Forschungen von Niklas Luhmann (­Kritische Systemtheorie) und Ulrich Beck (Risikotheorie) sind hier grundlegend.


► Welchen Roman erzählt die Börse?

boerseProf. Dr. Joseph Vogl über die Poesie, die Reichtum schafft. Was ist Poesie? Börsenwerte und Geld erzählen Geschichten. Das machen auch die Romane. In beiden Medien, im Fiction-Roman und an der Börse, werden Netze der Fantasie gewoben.

Die Romane bewahren diese in den Netzen enthaltene Erfahrung auf. Der Börsencrash dagegen zerreißt das Netz. Der Kulturforscher Prof. Dr. Joseph Vogl von der Bauhaus-Universität Weimar über die Poesie, die Reichtum schafft.