Zum Tod von Richard von Weizsäcker

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Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist am 31. Januar 2015 im Alter von 94 Jahren verstorben.

Ein Mann, der die Deutsche Geschichte entscheidend mitprägte und miterlebte und – obwohl Parteigenosse – immer einen Gegenentwurf zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl darstellte.

Richard von Weizsäcker hatte nicht das Glück ein „Spätgeborener“ zu sein. Er war ein Zeitzeuge verschiedener Epochen. Geboren wurde er zur Zeit des Deutschen Reichs in Stuttgart. Den Krieg erlebte er als Soldat der Infanterie. Zum Ende des Krieges wurde er verwundet. Im Genesungsurlaub in der französischen Zone in Lindau vermied er es, sich offiziell bei den Behörden zu melden, um der Gefahr in ein Gefangenenlager abtransportiert zu werden zu entgehen. Die Tatsache, dass er Französisch sprach, führte zu einer Fraternisierung mit den meist algerischen und marokkanischen Mannschaftsdienstgraden. Später nahm er das Studium der Jurisprudenz zum zweiten Mal auf und verteidigte noch während seiner Zeit als Student in Göttingen seinen Vater, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor der amerikanischen Anklagebehörde vor Gericht stand. Über diese Zeit sagte er: „Für mich war das die einzige Zeit, in der ich meinen Vater wirklich intensiv erlebt habe als Menschen, und zweitens war das ein Einstieg in die Zeitgeschichte, wie man ihn intensiver nicht haben kann.“

Im Interview befragt Alexander Kluge Richard von Weizsäcker zu seinem Buch „Drei Mal Stunde Null? 1949 – 1969 – 1989“. Drei Daten die Weizsäcker als Wendepunkte der deutschen Nachkriegsgeschichte verstand.

 


Sehen Sie die Sendung “3 x Stunde Null” mit Richard von Weizsäcker in voller Länge

► 3 x Stunde Null

3 x Stunde Null

1949 wird aus gegensätzlichen Bewegungen eine konsolidierte Bundesrepublik erkämpft. Seit 1989 geht es um den konsequenten Weg Deutschlands nach Europa.

Richard von Weizsäcker über Brücke und Kontinuitäten in der jüngsten deutschen Geschichte aus Anlass seines viel beachteten Buches “3 X STUNDE NULL”.

Die NULL, sagt Richard von Weizsäcker, ist eine Erfindung des alten Indien. In der Politik gibt es die NULL als Rückschluss auf die Vielfalt der Möglichkeiten, den Konjunktiv in der Geschichte, dem die Fakten ein Ende setzen.

Ein Gespräch mit Richard von Weizsäcker.