Neu im Catch-up Service: Alles für die Schuhe

Ulrike Sprenger: Von der Marke „Salamander“ bis zu den Schuhen der Comtesse Greffulhe

Zu den legendären Stummfilmen zählt Ernst Lubitschs Film über den Schuhpalast Pinkus.  Der Meisterregisseur spielt darin auch die Hauptrolle. Es geht um Schuhe. Die Fußsohle, die Füße und die richtige Passform von Schuhen entscheidet über Schicksale. In dem Film gewinnt ein junger Schuhverkäufer (Lubitsch) gegen alle Wahrscheinlichkeit eine schöne Frau und ein Vermögen. Mao Tse Tung kritisierte einst seine bürokratischen Gegner, indem er ihnen vorwarf, dass sie „die Füße beschneiden, damit der Schuh passt“. Der Hinweis zeigt, wie sehr der Fuß und seine Bekleidung zu den Errungenschaften der Menschheit gehört (wie das „Kochen“, das die rohe Natur überwindet).

Die Schuhfabrik Salamander entwickelte um die Jahrhundertwende (und dann unter Neuerungen bis tief ins 20. Jahrhundert hinein) das Prinzip „Schuhe für alle“. Fabrikmäßig und zugleich in hoher Qualität. Makaber dann, nach der Enteignung des jüdischen Unternehmens durch die Nationalsozialisten, wie dieses Unternehmen eine Rennstrecke zum Testen von Militärschuhen einrichtete. Insassen von Konzentrationslagern mussten dort in schwerem Fußwerk über Tag und Nacht laufen, um den Verschleiß zu testen. Für viele der Gefangenen führte das zum Tod.

In der Haute Couture bildet der Schuh eine Spitzenkunst. Den Dichter Marcel Proust faszinierten die Schuhe der Göttin der Pariser Mode, der Komtesse de Greffulhe (sie gehört zu den Vorbildern zu Prousts Romanfigur Herzogin von Guermantes).

Über dies alles berichtet Ulrike Sprenger, Romanistin an der Universität Konstanz. Sie interpretiert auch die einzige Filmaufnahme von Marcel Proust, die es gibt. Weniger als eine Minute lang. Es geht um Mode.

► Alles für die Schuhe (10 vor 11, Sendung vom 14.05.2018)


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► Diamonds, a girl’s best friends?

Ursprünglich ist Schmuck das Attribut von Pharaonen, Königen und Aristokraten. Dieser Schmuck besteht aus seltenen und daher besonders wertvollen Materialien: Perlen, Gold, Smaragde, Diamanten. Mit Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft ändern sich die Ornamente, die man auf der Kleidung trägt. Der Schmuck von bürgerlichen Damen ist dezent, für Männer ist der Schmuck durch Orden ersetzt.

Nach dem 1. Weltkrieg entsteht die revolutionäre Bewegung des Modeschmucks. Sie ist ein Derivat des Elans, mit dem die chemische Industrie ihre Herrschaft antritt. Aus Kunstharzen, Glas, gezüchteten Perlen und alle Arten von Kunststoffen entstehen Imitate und Neuentwicklungen des Schmucks, zum Teil von großer Schönheit und Eleganz. Zugleich geht es um eine Demokratisierung des Schmucks. Einige Stücke aus dem 20. Jahrhundert sind heute Unikate und so wertvoll wie oder wertvoller als klassischer Schmuck aus Diamanten oder Gold. Aus dem gleichen Material, aus dem die Flugzeugkanzeln der Bomber gebaut wurden (Plexiglas, Acryl) entstehen in den U.S.A. nach dem Krieg herrliche Geschmeide.

Die Spezialistin Ulrike Sprenger, Romanistin an der Universität Konstanz und Verfasserin des PROUST ABC, über den Charme frühen Modeschmucks.



► Im Dickicht der Zeichen

Das Duell zwischen dem Sonderkläger Kenneth Starr und Präsident Clinton hat lange Zeit die Medien beherrscht. Warum missverstand Sonderkläger Starr Clintons Krawatten? Hat Sonderkläger Kenneth Starr in Harvard das Falsche studiert? Warum war er nicht in der Lage die wahre Geschichte zwischen Clinton und Monica Lewinsky zu entziffern? Die Romanistin Dr. Ulrike Sprenger, Verfasserin des Proust-ABC über die Missverständnisse Stars, die sich bei dem berühmt gewordenen Krawatten-Problemen zuspitzen.


► Ein Rettungsboot namens Bildung

Zu den beliebten Kinderbüchern gehört die “Hasenschule”. Tatsächlich aber gibt es Bildung und Institutionen des Lernens nur in menschlichen Gesellschaften. Der lateinische Begriff für Bildung heißt ERUDITIO: aus dem rohen Holz eine Form herausarbeiten. Dies entspricht einer früheren Vorstellung von Pädagogik. Die modernere Vorstellung hält dem entgegen: es ist besser von den Kindern zu lernen. Deren Natur ist reicher als jede Erziehung sein kann. Man soll, heißt es, bei Pestalozzi, bei Rousseua und bei dem modernen Bildungsforscher Piaget, nicht das Alte einprägen, sondern eine neue Welt entwickeln. Die Romanistin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Universität Konstanz und Verfasserin des Proust-ABC, über das RETTUNGSBOOT NAMENS BILDUNG.