Neu im Catch-up Service: Die Oper der riskanten Verkleidung

Händels Meisterwerk ARIODANTE an der Staatsoper Stuttgart

Die letzte Oper, die Händels Gesamtwerk abschloss, stützt sich auf eine Episode aus Ariosts RASENDEM ROLAND. Es geht um eine sonst in der Opernliteratur nicht bekannte Handlung: um Menschen und ihre Kleider. Steckt das Schicksal, der Tod und die Liebe in den Kleidern oder eher in den Herzen der Menschen? Der große Musiker Händel antwortet wirksam darauf, indem er zeigt, dass in den Verkleidungen der Teufel im Detail wohnt.

Die Staatsoper Stuttgart hat in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus der Barockoper eine hochaktuelle „comedia umana“ gemacht. Die Regisseure verbinden Händels Oper mit der Kritik, die der Aufklärer Jean Jaques Rousseau an Opern, Theater, Kostümen und Verkleidungen überhaupt übte („unnatürlich“).

Ein König von Schottland hat eine Tochter. Sie liebt den Helden Ariodante und er liebt sie. Dem „bösen Mann“ im Stück, einem Herzog, gelingt es, die Dienerin der Königstochter in deren Kleider zu stecken und sowohl sie wie die Königstochter zu kompromittieren. Nach schottischem Gesetzt muss jetzt der König seine Tochter, die ihre Ehre verlor, töten.

Eine epochale Leistung der Staatsoper Stuttgart. Ein musikalisch und in dieser Inszenierung auch inhaltlich substantielles Letztwerk Händels. Mit der fulminanten Sängerin Ana Durlovski als Königstochter Ginevra.

► Die Oper der riskanten Verkleidung (10 vor 11, Sendung vom 21.08.2017)


Sehen Sie dazu auch auf dctp.tv:

► Diamonds, a girl’s best friends?

Ursprünglich ist Schmuck das Attribut von Pharaonen, Königen und Aristokraten. Dieser Schmuck besteht aus seltenen und daher besonders wertvollen Materialien: Perlen, Gold, Smaragde, Diamanten. Mit Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft ändern sich die Ornamente, die man auf der Kleidung trägt. Der Schmuck von bürgerlichen Damen ist dezent, für Männer ist der Schmuck durch Orden ersetzt.

Nach dem 1. Weltkrieg entsteht die revolutionäre Bewegung des Modeschmucks. Sie ist ein Derivat des Elans, mit dem die chemische Industrie ihre Herrschaft antritt. Aus Kunstharzen, Glas, gezüchteten Perlen und alle Arten von Kunststoffen entstehen Imitate und Neuentwicklungen des Schmucks, zum Teil von großer Schönheit und Eleganz. Zugleich geht es um eine Demokratisierung des Schmucks. Einige Stücke aus dem 20. Jahrhundert sind heute Unikate und so wertvoll wie oder wertvoller als klassischer Schmuck aus Diamanten oder Gold. Aus dem gleichen Material, aus dem die Flugzeugkanzeln der Bomber gebaut wurden (Plexiglas, Acryl) entstehen in den U.S.A. nach dem Krieg herrliche Geschmeide.

Die Spezialistin Ulrike Sprenger, Romanistin an der Universität Konstanz und Verfasserin des PROUST ABC, über den Charme frühen Modeschmucks.

Spannend und informativ.


► Mensch, werde wesentlich!

DER TRIUMPH VON ZEIT UND ENTTÄUSCHUNG von Georg Friedrich Händel, ein Werk, das er mit 22 Jahren in Rom komponierte, begründete schlagartig seinen Ruhm. Wie in der Barockoper üblich treten BEGRIFFE und EMBLEME als Personen auf und singen von ihrem Schicksal und Problemen in den schönsten Quartetten, Duetten und Arien: die Zeit (il tempo, zugleich der Tod), das Vergnügen (il piacere), die Schönheit (la belleza) und die Enttäuschung (il disinganno – zugleich die Erkenntnis). Der katalanische Regisseur Calixto Bieito hat diese Oper radikal und kongenial an der Staatsoper Stuttgart inszeniert.

Musikalische Leitung: Sébastien Rouland. Dramaturgie: Xavier Zuber.

In den 4 Hauptrollen: Camilla de Falleiro, Ezgi Kutlu, Marina Prudenskaja, Charles Workman.


► FAUST von Gounod

Frank Castorf, Chef der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, inszeniert die Oper FAUST in Stuttgart auf verblüffende Weise. Diese Oper aus dem 19. Jahrhundert wird gründlich entrümpelt. Das Bühnenbild und die Kostüme: heutiges Paris im Zeitalter der Attentate. Faust, anfangs ein herunter gekommener, zweiflerischer alter Mann, wird durch seinen Pakt mit dem Teufel – wie es Goethe und Gounod vorschreiben – in seine Jugend zurückverwandelt. Er überfällt die junge Margarethe mit seinem Liebesverlangen und stößt sie ins Unglück. Margarethe ist aber niemand, der sich auf diese Weise umbringen lässt. In der Rolle der Margarethe die hinreißende Mandy Fredrich.

Der legendäre Faustwalzer in einem ganz neuen Licht! Wenn er auf den Boulevards von Fallschirmjägern, Legionären und ihren lebensgierigen Geliebten getanzt wird. Text: „Wie der Wind den Staub aus der Ackerfurche weht, tanzen wir in den Himmel hinein“. Überraschend auch die „Hexen“ und die „Engel“ am Ende des Stücks. Die U-Bahn-Station heißt Stalingrad, Reklamen von neuesten Horrorfilmen und von Coca-Cola. Die Bühnenhandlung wird in großformatigen Filmaufnahmen übertragen. Ein ungewöhnlicher Grad von Intimität. Exakt passend zu der filigranen Musik von Gounod.

Mag Gounods Oper weniger modern sein als andere Faust-Opern wie die von Hector Berlioz und die von Ferruccio Busoni, so zeigt sie sich doch in dieser Regie und in der musikalischen Leitung von Marc Soustrot schlüssig und von enormem Schwung. Ein Opernerlebnis mit Ausnahmecharakter.


► Die Krönung der Poppea

Monteverdis große Oper DIE KRÖNUNG DER POPPEA spielt an einem einzigen Tag in Rom. Am Morgen verlässt der Kaiser Nero seine neue Geliebte Poppea; er ist nicht bereit, sie zur Kaiserin zu machen, ehe er nicht von seiner legitimen Frau, Ottavia, geschieden ist. Am Abend ist Poppea Kaiserin. Es geht um eine der ältesten Opern der Welt, die in der Aufführung der Stuttgarter Staatsoper als ein Werk der Moderne erscheint.