Neu im Catch-up Service: Der Vampyr

Heinrich Marschners „Theater der Unheimlichkeit“ an der Komischen Oper Berlin
Den Stoff lieferte der Dichter Lord Byron. Die Eroberung von Polens Osten durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn, also von Transsylvanien, lieferte die Gruselstimmung  und die Geschichten. „Der Vampyr“ heißt die Erfolgsoper des Komponisten der Deutschen Romantik, Heinrich Marschner. Nach diesem Vorbild entwarf Richard Wagner später seinen FLIEGENDEN HOLLÄNDER:

Lord Ruthwen ist ein Untoter. Nur wenn er drei frische junge Frauen, die Bräute – also „unschuldig“ – sein müssen, umbringt und sich mit ihrem Blut stärkt, wird dieser Mann noch ein Jahr überleben.

Der Gegenspieler dieses Vampirs, ebenfalls Lord, der eine der drei zur Tötung ausersehenen Frauen liebt, bringt den Vampir um. So rettet er seine Geliebte. Er ist aber durch den blutigen Kontakt mit dem Untoten selber kontaminiert. Als er sich an die Halsschlagader der geretteten Braut heranmachen will, tötet sie ihn durch sieben Stöße mit einem zugespitzten Holz in die Brust.

Der katalanische Regisseur Antú Nunez, der Dirigent Kai Tietje und Johannes Hofmann, der ergänzende Grusel-Kompositionen beisteuerte, haben Marschners Klassiker in eine beschleunigte dramatische Form gebracht. Stark und unheimlich wie in einem Splatter-Film.

► Der Vampyr (10vor11, Sendung vom 28.11.2016)


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► Delightful Horror – Attraktion des Bösen

boeseDas Böse, von dem nicht erzählt werden kann, wird übermächtig. Wird es an den Horizont gerückt, kehrt es im Innern der Menschen verstärkt zurück. In der Literatur gibt es deshalb eine Erzähltradition, die den Unterschied zwischen Gut und Böse unscharf hält. Zu ihr gehören z.B. Franz Kafka, Curzio Malaparte, Ernst Jünger und Jean Genet, Don DeLillo und Jonathan Littell. Im Film INGLORIOUS BASTERDS hat der Regisseur Quentin Tarantino diese Erzählweise furios vorgeführt. Prof. Dr. Peter-André Alt, Germanist und Präsident der FU Berlin, hat das Buch geschrieben “Ästhetik des Bösen”. Er berichtet.


► Ein subversiver Romantiker im deutschen Horrorfilm

Der “Todesking” heißt der Filmemacher Jörg Buttgereit seit seinem gleichnamigen Film von 1989 über Selbstmörder. Seine Filmkarriere begann vor 10 Jahren mit NEKROMANTIK I. Viele Buttgereit-Fans und vor allem auch seriöse Kritiker halten Buttgereit für unterschätzt, wenn man ihn nur als Horror-Filmer bezeichnet. Horror und Echtzeit sind allerdings Kennzeichen seiner Kunst. Der Tod ist ein Stachel, sagt Jörg Buttgereit, man kann nicht vom Leben berichten und den Tod verleugnen.

Nach 10 Jahren gibt es jetzt für Buttgereit die ersten Preise, wissenschaftlichen Bücher (in England) und Universitätsseminare.
Ein Portrait des Filmemachers Jörg Buttgereit und seiner Filme.


► Die Pissigkeit und das Unverwechselbare

DÄMONEN – böse Geister, heißt der moderne Roman von Dostojewski, der prophetisch die Charaktere vorführt, die das 20. Jahrhundert bestimmen werden. Der Roman hat den In-tendanten und Regisseur Frank Castorf so beeindruckt, dass er ihn in seiner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin als großes Theaterstück herausbrachte. Jetzt hat er den Stoff in einem 3-Stunden-Spielfilm umgesetzt. Unverwechselbar und rücksichtslos wie es die Art dieses Regisseurs ist.

Man kann über das Unflätige, die “Pissigkeit des Ganzen” nicht sprechen, sagt Castorf, wenn man nicht auch das Besondere und Unverwechselbare darstellt. Darin liegt die Schönheit.