Neu im Catch-up Service: Freiheit glückt beim zweiten Mal

Christoph Menke über eine Flaschenpost T. W. Adornos

In der klassischen Philosophie wird die Freiheit als „Selbstlenkung“ verstanden: Als Balance zwischen dem Eigenwillen, den eigenen Verstandeskräften und den Regeln der Gesellschaft. Diese Freiheit ist in den subjektiven Willenskräften verankert und definiert sich als „Abwesenheit von Fremdherrschaft“. Eine Metapher hierfür ist der Held Odysseus, der sich selbst an den Mastbaum bindet, damit er der Verführung durch die mythischen Sirenen, also der Natur, entgeht. Er gewinnt seine „Freiheit“, indem er sich selbst unterdrückt.

Bei den Philosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, welche die Frankfurter Kritische Theorie begründeten, gibt es einen differenzierteren und tiefgreifenderen PROZESS der Freiheit. Er ist bereits in der Evolution und den frühen Zivilisationen der Menschen angelegt und beruht nicht nur auf dem Eigenwillen und dessen Zähmung. Schon bei Babys ist deren experimenteller Freiheitsdurst zu beobachten.

Christoph Menke, in dritter Generation Nachfolger der Kritischen Theorie, beschreibt diesen Prozess der Befreiung, zu dem alle sinnlichen Eigenschaften der Menschen von sich aus tendieren. Er setzt Gedanken T. W. Adornos fort: Eine Flaschenpost fürs 21. Jahrhundert.

► Freiheit glückt beim zweiten Mal (10 vor 11; Stories, Sendung vom 21.11.2016)


Sehen Sie dazu auch auf dctp.tv:

► Neugierig wie ein Biber

philoWalter Benjamin gilt mit Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Jürgen Habermas als eine der Säulen der Kritischen Theorie. Wir begegnen einem der beiden Biographen Benjamins, Michael W. Jennings. Er hat das Buch „A critical life“ gemeinsam mit Howard Eiland geschrieben und ist Hochschullehrer an der Princeton Universität und Chef des dortigen deutschen German Department.


► Philosophie der sinnlichen Kraft

button-philosophie-der-sinnlichen-kraftZur Frankfurter Kritischen Theorie zählen Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Walter Benjamin und Jürgen Habermas. Von dieser Theorie gibt es inzwischen eine dritte Generation. Ein wichtiger Vertreter dieser neuen Generation ist Christoph Menke. Sein Lehrstuhl heißt: praktische Philosophie. Er befasst sich in gleicher Weise mit den Kräften im Menschen, die sich auf die Wahrnehmung und das Ausdrucksvermögen beziehen (Theorie der Ästhetik) wie auf die Kräfte, die sich auf Recht, Gleichheit und Befreiung richten (politische und praktische Philosophie).

Der Prozess der Freiheit, sagt Christoph Menke, wohnt der menschlichen Evolution inne. Er stützt sich auf einen Freiheitsdurst der Sinne selbst, also nicht bloß auf den Eigenwillen und dessen Zähmung. Sinneskräfte sind dabei nicht bloß Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen, also die fünf Sinne, sondern auch die gesellschaftlichen Sinne, deren Zahl nicht messbar ist. Alle diese Kräfte wetteifern in ihrer Tendenz zur Freiheit miteinander.

Die Ausdrucksvermögen der Kunst (das „Können“) und die Unruhe der sinnlichen Kraft sind hierbei die Motoren im Prozess der Freiheit. Christoph Menke spricht in seinen Publikationen von der „Souveränität der Kunst“ und von einer „politischen Philosophie nach Th. W. Adorno und Jacques Derrida“. Eine wohltuend praktische Richtung moderner Theorie.

Begegnung mit Christoph Menke, zurzeit Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.


► Odysseus und die Wiesel

odysseus-wieselHomer hat den Prototyp des modernen, unruhigen Geistes geschaffen: die Gestalt des Odysseus. Er ist auch der Held in dem philosophischen Werk von Max Horkheimer und Th. W. Adorno mit dem Titel “Dialektik der Aufklärung”.

Der Finanzexperte und literarische Autor Graf Georg von Wallwitz stellt dem Typus des Odysseus den Typus der Wiesel gegenüber. Sie, sagt er, sind zu klein und nicht listig genug im Verhältnis zu ihrer Gier.

Eine Abenteuerreise durch die Finanzkrise.


► Huldigung auf das große Bumm

bumm300Bumm heißt: jetzt.
Und Bumm, Bumm, Bumm heißt: jetzt, jetzt, jetzt!

Es geht in dem Buch “Riff, Tonspuren des Lebens” des Musikwissenschaftlers und Leitenden Redakteurs der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Thomas Steinfeld um die Gruppe KRAFTWERK, die Futuristen und ihre utopischen Instrumente von 1920, Gilles Deleuze, Bob Dylan, Adorno und den Siegeszug der populären Musik im 20. Jahrhundert.


► Max Horkheimer

horkheimerDie Frankfurter Kritische Theorie entwickelte den letzten großen modernen Entwurf der Aufklärung im 20. Jahrhundert. Ihr zentraler Geist war der Sozialforscher und Philosoph Max Horkheimer, lange Jahre Leiter des Instituts für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt. Sein gemeinsam mit Theodor W. Adorno geschriebenes Buch „Dialektik der Aufklärung“ hat Weltrang. Rolf Wiggershaus hat diesem Mann eine konzentrierte Biografie gewidmet.

Max Horkheimer, Vordenker und Navigator der entschiedensten politischen Philosophie unserer Zeit.