Heute Abend im TV: Ein politisches Dynamit (12.12.2016, 0:30 Uhr bei 10vor11 auf RTL)

Hauptmann Tröbst aus dem Umkreis der deutsch-türkischen Waffenbruderschaft

Aus der engen deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft im und nach dem Ersten Weltkrieg stammen einige abenteuerliche Charakterfiguren. Eine davon ist der Hauptmann Tröbst, von dem Ludendorff aus Anlass des Münchner Putschs von 1933 sagte: „Hauptmann Tröbst kann jederzeit für mich sprechen“.

Berühmt wurde Hauptmann Tröbst durch sein Buch „Soldatenblut“. Er gehört zu den Charakteren, die der Erste Weltkrieg schmiedete, die keinen Putsch, kein rechtsradikales Unternehmen und keinen Rachefeldzug gegen Links verpassen. Er war 1920 beim Kapp-Putsch dabei, einem Staatsstreich des Militärs in Berlin, das die Weimarer Republik übernehmen wollte. Der Putsch scheiterte. Er diente in den Freichors im Baltikum und in der berüchtigten „Eisernen Brigade“, die unter den Bolschewisten Massaker anrichtete. Das hinderte ihn nicht, sich wenig später als Siedler in der Sowjetunion zu bewerben. Meriten errang er erneut im Dienste der türkischen Armee, welche die griechische Armee aus Kleinasien und Thrakien vertrieb. Kurz darauf finden wir ihn im Umkreis der Verschwörer, die Hitlers Putsch von 1923 in München vorbereiten. Er ist am entscheidenden Tag nur deshalb nicht anwesend, weil er für die Machtübernahme nach dem Putsch aus Berlin Ministerkandidaten heranschafft.

Nach allen Seiten politisch stets unkorrekt: Ein politisches Stück Dynamit der 20er Jahre mit Phantasien im Kopf, wie sie die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft eingab: Orient pur.

Der Turkologe und Historiker Gerhard Grüßhaber, LMU München, berichtet.

 

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► Das armenische Volk ist uralt

armenierÜber mehrere tausend Jahre kämpft und lebt eine frühe christliche Zivilisation zwischen wechselnden Großmächten im Osten und Westen und verteidigt seine Existenz: Armenien. Das Land, dessen genaue Grenzen wechselten, war bereits der Zankapfel zwischen den Parthern und dem Römischen Reich. Später bedrohen mongolische und islamische Reiche im Osten das Land. Und im 20. Jahrhundert steht die Türkei im Westen des armenischen Kernlandes. Die Massaker der von der damaligen türkischen Führung im Ersten Weltkrieg angestrebten ethnischen Säuberung sind bekannt.

Die kulturellen und zivilisatorischen Wurzeln Armeniens liegen lange vor der christlichen Zeitenwende. Wenig bekannt ist, dass zeitgleich mit der Gründung der ersten europäischen Universitäten um 1180 Wissenschaftszentren und Universitäten in Armenien begründet wurden. Mit den Kreuzzügen sind die Armenier eng verknüpft. In Armenien besteht eine autokephale Kirche und ein armenischer Mönch entwickelt ein eigenes Alphabet für das Land. In den Zeiten des osmanischen Siegs über Ost-Rom und verstärkt seit dem 18. Jahrhundert entstand weltweit eine armenische Diaspora. Aus ihrem Geiste wurde 1918 aus dem Nachlass des osmanischen Reiches eine selbständige Republik begründet und diese nach 1991, dem Zeitpunkt der Auflösung der Sowjetunion, erneuert. Armenien ist heute eine der ethnisch konsolidiertesten Republiken der GUS.

Es berichtet die Privatdozentin Dr. Jasmine Dum-Tragut, die an den geisteswissenschaftlichen und theologischen Fakultäten der Universitäten Graz, Wien, Salzburg und Innsbruck, an der Staatlichen Universität Jerevan und an der LMU München lehrt.