Heute Abend im TV: Woher weiß die Uhr, wie spät es ist? (29.08.2016, 0:30 Uhr bei 10vor11 auf RTL)

Prof. Dr. Alexander Demandts Kulturgeschichte der Zeit

In einer berühmten antiken Erzählung sitzt ein Fischer müßig am Ufer. Ein Besucher fordert ihn auf, die Zeit zu nutzen, Fische zu fangen. Er könne sich dann ein neues Boot kaufen, ein Geschäft eröffnen und das Geld sammeln, damit er sich später zur Ruhe setzen könnte. Der Fischer antwortete: „Das tue ich doch schon gerade.“

Der Umgang mit der Zeit, mit Eile und Muße, ist in unseren Tagen genauso eine offene Frage wie in der Zeit des Kirchenvaters Augustinus. In gewisser Hinsicht sind wir Menschen Uhren. Eine Uhr misst die Relationen in Raum und Zeit. Sie misst aber nicht die Zeit selbst. Die ist eine der großen, nicht leicht erklärbaren Kategorien des menschlichen Vorstellungsvermögens.

„Die Uhr ist eine Maschine, die nichts produziert.“  In der Antike wird sie repräsentiert durch den Gott Chronos, der seine Kinder verschlingt. Es gibt aber auch einen winzigen Glücksgott, den Kairos, der mit den Menschen und ihrer Zeit auf andere Weise umgeht.

Der  Historiker Alexander Demandt hat in seiner Kulturgeschichte der Zeit ein faszinierendes Portrait unseres ständigen Begleiters geliefert, der Zeit.

 

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► Die Zukunft steckt mitten in der Gegenwart

zeitDie utopischen Romane und die Phantasierichtung von E.A. Poe, Jules Verne, Stanislaw Lem und Arno Schmidt unterscheidet sich grundlegend von den Science-Fiction-Ideen in STAR WARS, der PERRY RHODAN Serie oder anderen Phantasien, die sich auf den Weltraum beziehen. Die Linie Lems und Schmidts bleibt auch im Fiktiven Science, die Projektionen bekannter irdischer Konflikte in die Sternenwelt dagegen, wie sie der kommerzielle Science-Fiction-Roman und der Hollywood-Film betreibt, sind dagegen Fiction ohne Science. Stanislaw Lem und Arno Schmidt entdecken in den Erfahrungen ihrer Gegenwart die Stoffe, die dann in ihren utopischen Romanen ins Leben treten: „Die Zukunft entsteht mitten in der Gegenwart“. Und es sind Katapulte der Emotionen in der Vergangenheit, aus denen auch in der Realität (nicht nur in den Romanen) die Zukunft entspringt. In dieser Hinsicht sind alle Zeiten, einschließlich der Kategorie der Möglichkeit, die alle Zeiten begleitet, durch eine gemeinsame Grammatik verbunden. Man kann die brillanten Romane Stanislaw Lems als eine Kartierung der Realität und nicht bloß als Phantasien lesen. Das Gleiche gilt für Arno Schmidt in seinen Romanen „Schwarze Spiegel“ und „Kaff oder Mare Crisium“. Wie nahe Arno Schmidts Darstellungen eines Dritten Weltkriegs sind, zeigt sich nachträglich an den Realitäten des Jahres 1983, in dem sich der Kalte Krieg um ein Haar in einen „heißen“ Atomkrieg verwandelt hätte. Dr. Bernd Flessner, Universität Nürnberg, gehört zu den besonderen Kennern jener Science-Fiction-Literatur, die die realistischsten Romane des 20. Jahrhunderts schrieb: des Werks von Stanislaw Lem und Arno Schmidt. Ein Alien in Form eines ganzen Planeten wie in Lems „Solaris“ und ein Realist wie der Raumpilot Pirx gehören zu den besten literarischen Spiegeln, die es in unserem Zeitalter (also auch für das 21. Jahrhundert) gibt. Begegnung mit Dr. Bernd Flessner, Zukunftsforscher und Literaturwissenschaftler.


► Was heißt Zeit auf Russisch?

zeit-russischFür den Begriff der Zeit gibt es in der russischen Sprache verschiedene Worte; alle haben andere Bedeutungen oder Beimischungen, als wir sie aus den Sprachen Westeuropas kennen. Eine besonders interessante Herleitung des Wortes Zeit führt zurück auf den Mythos der Weberin Arachne in Byzanz. Diese äußerst tüchtige Vernetzerin legte sich mit den Göttern an und wurde zur Spinne. Seither spinnt sie am Netz der Zeit.

Anlässlich seines Denkmals DENKMAL DER ZEIT befragten wir den renommierten Autor und Chefredakteur Sergej Solowjow.