Heute Abend im TV: Brasilien – Land der Extreme (03.08.2016, 00:45 Uhr bei News & Stories auf SAT1)

Die U.S.A. Lateinamerikas

Krise eines großen Landes und Olympiade in Rio de Janeiro treffen zusammen. Die Teilung der Welt durch den Papst im Spätmittelalter ordnete den Erdkreis in zwei Teile und damit fiel das Gebiet, das heute Brasilien heißt, an Portugal, das übrige Lateinamerika an Spanien. Das führte kulturell und gesellschaftlich zu verschiedenen Entwicklungen.

Brasilien ist ein markantes Einwanderungsland. Zu den früheren Immigranten gehörten unfreiwillig Menschen aus Afrika. Es folgten Schübe von Hunsrückern aus Deutschland, Einwanderer aus den österreichischen Provinzen, und aus  anderen Regionen Europas und der Welt, die in Brasilien, dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Süden der beiden Amerikas“ ihr Glück suchten.

Es gibt kaum ein Riesenland, dessen einzelne Teile so unterschiedlich und so wenig miteinander verbunden sich entwickelten wie die nördlichen, westlichen und südlichen Zonen von Brasilien. Nirgends ist der Gegensatz von Stadt und Land so krass. Nirgends sind aber auch die Strukturen so vielfältig.

Mit Beiträgen von Christoph Schlingensief, der mitten im Dschungel Wagner inszenierte, der Brasilien-Spezialistin Dr. Ursula Prutsch und vielen andern. Eine Ergänzung zum FOCUS TV Programm über Brasilien vom Vorabend und Anlass der Olympiade in Rio.

 

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brasilNicht nur die U.S.A. sondern auch Brasilien ist durch starke Immigrantenschübe zu einem Gemeinwesen geworden. Der erste Schub an Arbeitskraft kam unfreiwillig als Sklaven aus Afrika. Es folgten Ströme von Auswanderern aus dem ehemaligen k.u.k. Kaiserreich. Der erste Kaiser Brasiliens war mit einer österreichischen Erzherzogin verheiratet. Noch 1918 organisierte ein entlassener Rittmeister der k.u.k. Armee für seine Kameraden den Exodus in eine der boomenden Provinzen Brasiliens. Dadurch dass ein europäisches Königshaus das Kaisertum in Brasilien begründete und dieser monarchische Zusammenhalt in der späteren Republik immer wieder eine „poder moderador“ nach sich zog, eine vermittelnde Instanz, die „über den Parteien“ steht, war es möglich, territorial extrem auseinander liegende Provinzen zusammen zu halten. Eine europäische Philosophie und Soziologie, nämlich der Empirismus und Positivismus von Auguste Comte, gibt dem brasilianischen Staatsprojekt eine Richtung und ein Identitätsgefühl, das sich von dem in anderen lateinamerikanischen Republiken unterscheidet. Die Lateinamerika-Historikerin Prof. Dr. Ursula Prutsch über das Phänomen Brasilien.