Heute Abend im TV: Un Ballo In Maschera (20.07.2016, 00:45 Uhr bei News & Stories auf SAT1)

Melodramma in 3 Akten von Giuseppe Verdi an der Bayerischen Staatsoper München

Eigentlich beabsichtigte Giuseppe Verdi eine Oper über Shakespeares „König Lear“ zu komponieren. Sieht und hört man der dramatischen Schlüsselszene auf dem Galgenberg im 2. Akt zu, so sieht man noch die archäologischen Spuren dessen, was Verdi im Kopf hatte: Landschaft und Figuren aus dem Finale von Shakespeares bewegendem Drama.

Aus verschiedenen Gründen, auch weil die Rolle der Cordelia (dem Sopran in „King Lear“) nicht zu besetzen war, wählte Verdi dann einen Stoff aus der Welt der Attentate und „Vermischten Nachrichten“: Tagesnachricht mit Musik. Es geht um den Mord an dem schwedischen König Gustav III. Alle Figuren der Oper, der von einem Domino und auf einem Maskenball getötete Herrscher, sein Page, die Wahrsagerin und die Rotte der Verschwörer entsprechen tatsächlichen Geschehnissen. Das brachte den Stoff in Kollision mit der Zensur. Die Originalhandlung wurde (versuchsweise) in den Kaukasus, nach Pommern und schließlich nach Boston in Amerika verlegt. Die Zensurbehörde war nervös, weil kurz zuvor ein Bombenanschlag auf den Herrscher Napoleon III in Paris die Verletzlichkeit der Mächtigen in ein grelles Licht getaucht hatte.

Die Handlung: ein lebensgieriger Herrscher und sein Polizeichef sind enge Freunde. Politisch sind sie aufeinander angewiesen. Der Herrscher jedoch liebt heimlich die Gattin des Polizeichefs und diese erwidert seine Liebe. In öder Gegend, unter dem Galgen der Gehängten: die Liebesszene. Beide Liebenden verzichten aufeinander. Gerade im Moment des edlen Entschlusses entlarvt die „aggressive Öffentlichkeit der Attentäter“ die schöne Frau. Jetzt will der beste Freund (und Sicherheitschef) den Herrscher umbringen.

Der Dirigent Zubin Mehta bringt Verdis Musik meisterhaft in Schwingung. Inszenierung:  Johannes Erath. In der Rolle der Amelia: Anja Harteros. In der Rolle des Herrschers:  Piotr Beczala. In der Rolle des Polizeichefs, der sich als Ehemann betrogen glaubt: George Petean.

Eine besondere Leistung der Bayerischen Staatsoper München unter der Staatsintendanz von Nikolaus Bachler in der Reihe „Vermessen“.

 

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