Heute Abend im TV: Sieger müssen Trauer tragen (23.05.2016, 0:30 Uhr bei 10vor11 auf RTL)

Benedikt von Peter inszeniert AIDA an der Deutschen Oper Berlin

Die Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin nimmt Verdis AIDA beim Wort. In dieser Oper verbindet Verdi zwei äußerst verschiedene Materialien: ein musikalisch präzises und emotional authentisch gestaltetes Beziehungsdrama zwischen den Hauptpersonen Aida, Amneris und Radames mit einer in groben, in plakativen Flächen gezeichneten Festoper zur Eröffnung des Suez-Kanals, einer Staatsaktion, die der Triumphmarsch krönt. Der Regisseur Benedikt von Peter versteht die Zwiegestalt dieser Oper korrekt so, dass Verdi keineswegs für die triumphierende Siegermacht Ägypten Partei ergreift, sondern – im Gegenteil – für die Unterlegenen der Geschichte, die Stimmlosen und die real empfindenden Menschen.

In Benedikt von Peters Inszenierung sitzen die Choristen einzeln verteilt im Zuschauerraum. Sie singen quasi als Individuen gegen das frontale Geschehen auf der Bühne an. In solch filigraner Auflösung in ihre Details wird deutlich,

wie großartig diese wohl populärste Oper Verdis im Einzelnen gearbeitet ist. Anti-imperiale Musik!

Musikalische Leitung: Andrea Battistoni. Eine grandiose stimmliche und schauspielerische Leistung: Tatjana Serjan als Aida.

 

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► RIGOLETTO

rigolettoDie Vorlage zu Verdis RIGOLETTO war das revolutionär gesinnte, gegen die Königsherrschaft gerichtete Drama Victor Hugos: “Le roi s’amuse” (Der König vergnügt sich). Das Drama erhielt sofort Zensurverbot für Frankreich für mehrere Jahrzehnte.

In der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Staatsoper Stuttgart wird diese politische Perspektive, um die es auch Giuseppe Verdi ging, offen gelegt. Auf diesem Hintergrund verwandelt sich die Rolle der Gilda aus einem Opfer in eine selbstbewusste, rebellische junge Frau. Ihr Vater Rigoletto, der (ohne es zu wollen) letztlich ihren Tod bewirkt, tritt auf als ehemaliger, jetzt enttäuschter Revolutionär (also nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich „bucklig“) und als politisches Monster am Hofe eines liebeshungrigen Despoten.

In diesem Licht erscheint Verdis beliebteste Oper frisch, unbekannt und packend. Neuartig ist auch das Bühnenbild von Bert Neumann (eines der letzten vor seinem Tod) und die filigrane und souveräne Führung des Orchesters durch Sylvain Cambreling.

Ein Opernereignis in Stuttgart.