Neu auf dctp.tv: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert

Prof. Dr. Birger P. Priddat über die Missachtung des Kleingeldes

Seit kurzem erhält man Cent-Stücke des Euro von den Zentralbanken nur noch auf besonderen Versteigerungen, gegen Aufpreis und in Mengen von über 300.000 Euro im Container. Die Produktion eines 1-Cent-Stückes kostet 3 Cent und ist somit teurer als der Nennwert. Die Schuldenberg-Ökonomie untergräbt die Achtung vor dem “Pfennig”, der doch das Geld des armen Mannes bleibt. Es ist interessant zu beobachten, dass jede Kultur, jede der verschiedenen Nationen Europas traditionell eine verschiedene Haltung zum Kleingeld hat. Der mangelnde Respekt vor den kleinen Münzen schafft im Bewusstsein und in der wirtschaftlichen Praxis ein großes Problem.

Der Professor für Politische Ökonomie Dr. Birger P. Priddat, Zeppelin-Universität Friedrichshafen, berichtet.

► Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert (10 vor 11, Sendung vom 19.09.2011)


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► Gespräch mit einem Griechen über das Kleingeld

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Mit großen Scheinen sind die Schulden der Republik Hellas nicht abzutragen. Wie wäre es, wenn man statt von den Milliardensummen vom Cent ausgeht?

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Peter Berling als erfahrener Spielbankchef Alexis Chrysos.


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