Neu auf dctp.tv: Gespräch mit einem Griechen über das Kleingeld

Spielbankchef Alexis Chrysos über den Schuldenberg

Mit großen Scheinen sind die Schulden der Republik Hellas nicht abzutragen. Wie wäre es, wenn man statt von den Milliardensummen vom Cent ausgeht?

Alexis Chrysos, Leiter einer Spielbank in Alexandria, über die Chancen und Beleihungsmöglichkeiten der verborgenen Schätze Griechenlands und des Kleingelds, das für arme Menschen den “real existierenden Kapitalismus” darstellt. Gerade hier aber, so Alexis Chrysos, zeigen sich die Europäischen Zentralbanken besonders kleinlich. Sie verausgaben 1-, 2- und 5-Centstücke nur noch in Form von Versteigerungen in Containern von mindestens 314.000 Euro und gegen Aufpreis. Das widerspricht, sagt Alexis Chrysos, dem Leitsatz: “Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert”:

Peter Berling als erfahrener Spielbankchef Alexis Chrysos.

► Gespräch mit einem Griechen über das Kleingeld (News & Stories, Sendung vom 21.08.2011)


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► Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert

pfennigSeit kurzem erhält man Cent-Stücke des Euro von den Zentralbanken nur noch auf besonderen Versteigerungen, gegen Aufpreis und in Mengen von über 300.000 Euro im Container. Die Produktion eines 1-Cent-Stückes kostet 3 Cent und ist somit teurer als der Nennwert. Die Schuldenberg-Ökonomie untergräbt die Achtung vor dem “Pfennig”, der doch das Geld des armen Mannes bleibt. Es ist interessant zu beobachten, dass jede Kultur, jede der verschiedenen Nationen Europas traditionell eine verschiedene Haltung zum Kleingeld hat. Der mangelnde Respekt vor den kleinen Münzen schafft im Bewusstsein und in der wirtschaftlichen Praxis ein großes Problem.

Der Professor für Politische Ökonomie Dr. Birger P. Priddat, Zeppelin-Universität Friedrichshafen, berichtet.


► Wer soll Europas Sprungtuch halten?

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Erwin Dombrowski ist der Cousin des bereits im Fernsehen bekannten Lothar Dombrowski. Beide Cousins (von Georg Schramm gespielt) sind überzeugte preußische Charaktere. Erwin Dombrowski ist derzeit als Sparkommissar in Brüssel tätig und war auch zuständig für die Finanzinspektionen in Griechenland.

Für ihn geht es nicht bloß um Geld, sondern um die Vertrauenskrise, die durch Schuldenberg und Inflation (und die Unfähigkeit der Politik darauf zu antworten) entsteht. Der heilige Zorn der Basis, sagt er, wird nicht nur die Bürokraten, sondern die Politiker überhaupt das Fürchten lehren. Dagegen ist traditionelles Preußentum gar nichts.


► Europa und die dreizehnte Fee

feeDer Heiratsvermittler und Scheidungsberater van Damme ist auch EU-Berater in Brüssel. Wie weit soll sich die EU ausdehnen? Nigel van Damme antwortet: So weit die Heiraten und die Scheidungen reichen. Trotz klarer Antwort bleibt es immer noch die Frage, ob die EU um die Türkei, Georgien und die Ukraine (einschließlich Krim) erweitert werden soll. Eheschließungen und Scheidungen allein geben hier kein klares Bild.

Peter Berling als Heiratsvermittler und EU-Berater.


► Das europäische Kondom

kondomVertrauenswürdigkeit, Berührungsstärke, Rissfestigkeit und Sicherheit besitzen als gemeinsame Werte im künftigen Europa Verfassungsrang. Die gleichen Werte sind auch Maßstäbe der Kondomfertigung. Wird es das europäische, grenzüberschreitende Kondom geben?

Der Unternehmer und Lobbyist Willem Müller-Rosé berichtet.

Peter Berling als Müller-Rosé


► 194 Jahre Hellas

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Der Aufstand der Griechen gegen das Osmanische Reich begann 1821. Er wurde von den Großmächten England, Frankreich und Russland mit starker Emotion gefördert und führte 1830 zum ersten Königreich der Helenen unter dem Bayerprinz Otto. Noch während des Aufstands kam es zum ersten Staatsbankrott. Der zweite von bisher insgesamt drei lag 1883 nach einem wirtschaftlichen Innovationsschub, dem das griechische Eisenbahnsystem und der Kanal von Korinth zu verdanken sind. Als dramatisch gilt der Zweikampf zwischen dem Vollblutpolitiker Venizelios (der die Partei der Reeder, des britisch-französischen Geldes und der Wohlhabenden vertrat) mit dem König Konstantin (jetzt aus einem norddeutschen Fürstenhaus und Vertreter des Mittelstands, der Beamten und der kleineren Landbesitzer). Wie fast immer in der griechischen Geschichte schwankten die Mehrheiten. Die Regierungen lösten einander ab. Mal ging der König, mal der Vollblutpolitiker ins Exil. Man wird, sagt der Griechenlandkenner Zelepos, die neugriechische Geschichte und die Gegenwart dieses Landes nur verstehen, wenn man die einzelnen Teile betrachtet, aus denen sich das Land zusammensetzte und die bisher keineswegs integriert sind: Ein Land, das fast nur aus Besonderheiten besteht, in den Menschen selbst und in den Landschaften. Als Griechenland zu Ende des Ersten Weltkriegs gegen Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg eintrat, gab die von diesem Land ausgehende Offensive den Mittelmächten den Rest. Kein unwichtiges, aber ein unsortiertes Land.

Prof. Dr. Ioannis Zelepos, Neogräzist an der Ludwig-Maximillian-Universität München, berichtet.


► Das Land der 1000 Inseln

tausend-inseln-griechenlandGriechenland besteht in seiner Geschichte seit der Antike und in seiner Gegenwart nicht bloß aus der Hauptstadt Athen, dem Festland und dem Peleponnes, sondern vor allem aus seinen 1.000 Inseln: „Nichts ist so verschiedenartig wie die Einzelteile des griechischen Archipels“.

Die adriatischen Inseln im Westen gehörten früher zum Einflussbereich Venedigs. Sie haben eine andere Musik, andere Sitten, andere Bauweise und andere Gemeinwesen und Clans als die Inseln in Ägäis. Auch von diesen unterscheidet sich fast jede von den anderen. Geht man nicht von einem Einheitsurteil (meist einem Vorurteil) über Griechenland aus, sondern untersucht die einzelnen Regionen in Geschichte und Gegenwart, erhält man auch für die Lösung der Probleme des Landes einen besseren Blick. Dem Bürgermeister von Thessaloniki sind zum Beispiel Reformen gelungen. Die Riesenstadt Athen sucht Rat bei diesem Politiker für die eigenen Probleme. Athen selbst bildet als Megalopolis einen scharfen Gegensatz zu den agrarischen Regionen des Landes. In dieser Hinsicht erweist sich das Phänomen Griechenland als ein prismatisches Gebilde.

Joannis Zelepos, LMU München, berichtet über die Vielfalt Griechenlands.


► Philosophie des Geldes

Philosophie_des_GeldesDer Soziologe Georg Simmel veröffentlichte im Jahr 1900 seine berühmte Schrift “Philosophie des Geldes”. Dirk Baecker interpretiert diese Philosophie, die Geld aus nicht-ökonomischer Perspektive beleuchtet, und erklärt, warum der Markt gleichzeitig ein heiliger und ein verfluchter Ort war.