Neu im Catch-up Service: "Neugierig wie ein Biber"


Biograph Michael W. Jennings über Walter Benjamin
Walter Benjamin gilt mit Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Jürgen Habermas als eine der Säulen der Kritischen Theorie. Wir begegnen einem der beiden Biographen Benjamins, Michael W. Jennings. Er hat das Buch „A critical life“ gemeinsam mit Howard Eiland geschrieben und ist Hochschullehrer an der Princeton Universität und Chef des dortigen deutschen German Department.
Jennings zeigt die tiefe Verwurzelung Benjamins in seiner Kindheit und in Traditionen der Klassik. Das steht im Kontrast zu seiner Verschränkung mit der Moderne (Bauhaus, Moholy-Nagy, Hans Richter, bis hin zu Dada, Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und anderen Strömungen der Moderne): Ein Mann zwischen den Zeiten. Seine Neugier und die Differenz in allem, dem er begegnet, katapultieren ihn gewissermaßen aus seiner Zeit in die Zukunft, sodass seine (oft unvollendeten) Arbeiten für unser 21. Jahrhundert von höchster Aktualität sind. Als Emigrant in Paris wird er 1940 vom deutschen Einmarsch überrollt. Er will über die Pyrenäen die USA erreichen. Als er glaubt, dass die spanischen Grenzbehörden, ihn an die deutschen Herrscher ausliefern werden, nimmt er sich das Leben.
Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist das riesige „PASSAGEN-WERK“ (benannt nach den überdachten Einkaufsstraßen in Paris, der „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“, dem Domizil der „Warenwelt“). Das Werk ist ein Ausgangspunkt für die Weiterführung relevanter Theorie im 21. Jahrhundert. An keinem anderen Werk kann man die Kontinuitäten und scharfen Differenzen zwischen 19., 20. Und 21. Jahrhundert besser erkennen als an diesem. Es gilt die Denkansätze Benjamins entschieden fortzusetzen.
Begegnung mit Prof. Dr. Michael W. Jennings und dem Buch „A critical life“.
► „Neugierig wie ein Biber“ (News & Stories, Sendung vom 30.09.2015)


Literaturempfehlung



Walter-Benjamin
Walter Benjamin: A Critical Life
Walter Benjamin is one of the twentieth century’s most important intellectuals, and also one of its most elusive. His writings–mosaics incorporating philosophy, literary criticism, Marxist analysis, and a syncretistic theology–defy simple categorization. And his mobile, often improvised existence has proven irresistible to mythologizers. His writing career moved from the brilliant esotericism of his early writings through his emergence as a central voice in Weimar culture and on to the exile years, with its pioneering studies of modern media and the rise of urban commodity capitalism in Paris. That career was played out amid some of the most catastrophic decades of modern European history: the horror of the First World War, the turbulence of the Weimar Republic, and the lengthening shadow of fascism. Now, a major new biography from two of the world’s foremost Benjamin scholars reaches beyond the mosaic and the mythical to present this intriguing figure in full. Howard Eiland and Michael Jennings make available for the first time a rich store of information which augments and corrects the record of an extraordinary life. They offer a comprehensive portrait of Benjamin and his times as well as extensive commentaries on his major works, including „The Work of Art in the Age of Its Technological Reproducibility,“ the essays on Baudelaire, and the great study of the German „Trauerspiel.“ Sure to become the standard reference biography of this seminal thinker, “ Walter Benjamin: A Critical Life“ will prove a source of inexhaustible interest for Benjamin scholars and novices alike.
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Sehen Sie dazu auch auf dctp.tv

► Inventar eines Jahrhunderts
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Walter Benjamin hinterließ bei seinem Tode ein unvollendetes und zugleich gewaltiges Manuskript, das man das PASSAGEN-WERK nennt. Der Name kommt von den überdachten und urbanen Ladenstraßen in Paris. Diese Arbeit beginnt mit dem Essay „Paris, die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“. Es folgt über mehr als 1.000 Seiten eine Sammlung von Materialien und Beobachtungen, die das 19. Jahrhundert charakterisieren. Ein Inventarverzeichnis: z.B. Eisenkonstruktionen, die Panoramen, die Fotografie, die Revolution, die Weltausstellungen, das Gaslicht und die Elektrizität.
Prof. Dr. Burkhardt Lindner ist der Herausgeber des BENJAMIN-HANDBUCHS. Er führt in das PASSAGEN-WERK ein, aber er stellt auch die Frage, ob man heute (aufbauend auf dem Untersuchungsraster Benjamins) eine Arbeit wie dieses PASSAGEN-WERK für das 21. Jahrhundert wiederholen könnte. Was wäre eine „Hauptstadt des 21. Jahrhunderts“? Stünden an der Stelle, wo einst das Eisen
dominierte, heute das Silizium und die seltenen Erden in den Chips? Was ist in den beiden Jahrhunderten, die auf das 19. folgten, so anders?
Begegnung mit Walter Benjamin und Burkhardt Lindner.
Spannend und informativ.


► Kapitalismus als Religion
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Ein Fragment des großen Philosophen Walter Benjamin hat den Titel KAPITALISMUS ALS RELIGION. Die Skizze umfasst wenige Seiten, war aber das Parallelprojekt gegenüber dem über mehrtausendseitigen Werk Benjamins, dem „Passagen-Werk“.
Sind wir westlichen Menschen ebenfalls Fundamentalisten, bemerken es nur nicht? Steckt unser religiöser Glauben im Auf und Ab der Börsen, der Art, wie wir Fremdes ausgrenzen und in unseren kulturellen Begriffen?
Dirk Baecker, Soziologe an der Universität Witten-Herdecke, über den Ökonomen Adam Smith, die Lehre von der „Unsichtbaren Hand“ und vor allem über Walter Benjamins KAPITALISMUS ALS RELIGION.


► Die Blaue Gefahr
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Außerirdische, die sich unserem Blauen Planeten näherten, kehrten wieder um. Die Vibration der Erdbewohner hielten sie für zur Grausamkeit neigend. Kurzfilm nach einer Idee von Walter Benjamin mit Hannelore Hoger.
 
 
 
 
 


► Hexenküche der Mythen
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Mythen entstehen aus 1.000 Jahre alten mündlichen Erzählungen. Was sie erzählen, handelt von einer sichtbaren und einer unsichtbaren Seite der Gesellschaft. Walter Benjamin nennt das letztere „Das gesellschaftliche Unbewusste“. Durch diese doppelte Verankerung, im Subjektiven und im Objektiven, werden die Mythen zum Zement der Gemeinwesen.
Tempel sind dabei ebenso nur ein äußerliches Substrat des gesellschaftlich Unbewussten – genau, wie die Arche Noah, ein über mehr als 1.000 Jahre tradierter Mythos ist.