Neu im Catch-up Service: Die Sonne lud den Mond zu Gast

Ulrike Sprenger über Dr. Heinrich Hoffmann

Dr. Heinrich Hoffmann, der Verfasser und Zeichner des STRUWWELPETER war Irrenarzt, Autor und Zeichner in Frankfurt. Er gehörte 1848 dem Frankfurter Vorparlament als Abgeordneter an. Seine Lebenserfahrung und sein Witz erstrecken sich auf das gesamte 19. Jahrhundert. Außer dem STRUWWELPETER publizierte er zahlreiche andere Bücher mit Versen und Zeichnungen.

So beliebt Heinrich Hoffmann bei Kindern ist, so wesentlich sind seine Arbeiten auch für Erwachsene. Sie haben auch politischen Gehalt. In KÖNIG NUSSKNACKER und DER ARME REINHOLD geht es um die Absurditäten der Monarchie, aber auch die Irrfahrten der revolutionären Bewegung. Viele Arbeiten schrieb und zeichnete Heinrich Hoffmann für seine Enkel und sie haben doch Bedeutung für die ganze Welt. Eines seiner letzten Werke heißt BESUCH BEI DER SONNE. Der Mond besucht mit seinen Kindern, den Sternen, die tafelnde Sonne, die bei Hoffmann Symbol des Lebens, aber auch grausam sein kann.

Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Universität Konstanz, über Dr. Heinrich Hoffmann. Ulrike Sprenger ist auch Verfasserin des PROUST ABC.

► Die Sonne lud den Mond zu Gast (News & Stories, Sendung vom 19.08.2015)


► Ein Rettungsboot namens Bildung

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Zu den beliebten Kinderbüchern gehört die “Hasenschule”. Tatsächlich aber gibt es Bildung und Institutionen des Lernens nur in menschlichen Gesellschaften. Der lateinische Begriff für Bildung heißt “Eruditio”: aus dem rohen Holz eine Form herausarbeiten. Dies entspricht einer früheren Vorstellung von Pädagogik.

Die modernere Vorstellung hält dem entgegen: Es ist besser, von den Kindern zu lernen. Deren Natur ist reicher als jede Erziehung sein kann. Man soll nicht das Alte einprägen, sondern eine neue Welt entwickeln, heißt es, bei Pestalozzi und bei Rousseau.

Die Romanistin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Verfasserin des Proust-ABC, über das “Rettungsboot namens Bildung”.


► Der Tod aus dem Wald (10 vor 11, Sendung vom 29.07.2013)

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Im 1. Weltkrieg wurden etwa 30 Kinder aus dem Ruhrgebiet, in dem Hungersnot herrschte, auf ein Landgut in der Provinz Posen evakuiert. Am Ende ihres Aufenthalts bereitete die Köchin, die sie betreute, ein leckeres Gericht aus Waldpilzen. Bis auf zwei starben die Kinder: Kriegsopfer.

Ulrike Sprenger, Verfasserin des Proust-ABC und Romanistin an der Universität Konstanz, ist zugleich Pilzforscherin. Sie berichtet von dieser und zahlreichen anderen Geschichten. Alle handeln von jenen Lebewesen, die nicht Tier oder Pflanze sind, die mit ihrem Wurzelwerk, den Myzelien, zu den größten unterirdischen Lebewesen der Welt: den Pilzen. Der Philosoph Hegel sprach ihnen die Eigenschaft als Lebewesen ab, weil er meinte, dass sie nicht denken können. Was aber weiß man wirklich von den Pilzen?


► Die zwei ägyptischen Krokodile (10 vor 11, Sendung vom 29.06.2015)

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Primitive Diversity ist die Bezeichnung für die sogenannte “einfache Vielfalt”, nämlich die Bilderwelten, die dem Kino unmittelbar vorangingen. Das war vor allem die Laterna Magica: phantasiereiche Darstellungen, gemalt, in einem Rundkasch für Bildwerfer-Apparate, die diese Bilder vergrößert an die Wand warfen. Das hat hohe erzählerische und ästhetische Reize und ist keineswegs nur etwas für Kinder.

Im Beispiel von den zwei ägyptischen Krokodilen trifft ein ägyptischer Händler zwei Exemplare dieser Tiergattung. Er trägt sie zum Markt. Sie führen miteinander Zweikämpfe vor. Die Zuschauer sind begeistert. Am Schluss fressen die Krokodile den Händler. Die Geschichten sind vielfältig. Sie reichen von bekannten Romanen wie „Robinso Crusoe“ bis zu originellen Neuerfindungen wie die „Sintflut in der Wohnstube“. Geschichten wie Dr. Hoffmanns „Struwwelpeter“ sind in Art und Zeichnung mit den Laterna-Magica-Phantasien eng verwandt.

Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Universität Konstanz, über die Bilderwelten der “primitive diversity”.