Heute Abend im TV: Unterwegs nach Ninive – Die Bagdad-Bahn 1868 – 1914 (24.08.2015, 0:30 Uhr bei 10vor11 auf RTL)

Die vom Deutschen Reich, der Deutschen Bank und mit Unterstützung des Osmanischen Reichs vorangetriebene Bahnlinie von Berlin über Wien, Budapest, Konstantinopel, Ninive, Bagdad nach Basra war ein gefährliches Streitobjekt, da Großbritannien und Russland sich durch dieses Projekt in ihren Interessen bedroht sahen.

Diese Bahn wurde vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht fertiggestellt. Der Bahnbau zeigt einen intensiven Lernprozess der Projektbetreiber. Sie fingen den Bau an nach den Normen der Preußischen Hochbaubehörden. Die Bahnhöfe in Backstein sahen aus wie in Bielefeld. Streiks der Arbeiter und öffentliche Nichtakzeptanz dieser Bauweise belehrten die Verantwortlichen, dass man sich an das fremde Land anpassen müsste. So wurden ab einem bestimmten Teil der Strecke in Anatolien orientalisch kostümierte Bahnhöfe hingestellt. Der Bahnbau war begleitet durch lebhafte Ausgrabungstätigkeit der vorchristlichen babylonischen Kultur. Nach der ursprünglichen Planung hätte die Bahnstrecke direkt durch das Stadtgelände des antiken Ninive und das dazugehörige Tor geführt.

Dr. Peter H. Christensen, Stadt- und Zivilisationsforscher, Universität Rochester (NY), berichtet über das Projekt der Bagdad-Bahn und die kulturellen Aspekte, die diesen Bau begleiten.

Spannend und informativ.

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► Wir schaffen eine neue Welt

utopienImmer wieder hat es in der Moderne des 20. Jahrhunderts innovative Projekte gegeben. Einige waren verrückt, bei anderen wünschte man sich, dass sie Wirklichkeit geworden wären. Der Kulturhistoriker Bernd Ingmar Gutberlet hat in einem spannenden Buch einige dieser gescheiterten Utopien untersucht. Zu seinen Beispielen gehört die internationale Kunstsprache des Esperanto, der Revolutionskalender in Frankreich und die 5-Tage-Woche im revolutionären Russland der 20er Jahre.

Es zeigt sich, dass die gewohnten Zeitrhythmen des Jahres durch die Politik wohl am schwersten verändert werden können. Die Umkehrung der sibirischen Flüsse, die sämtlich ohne industriellen Nutzen nach Norden zum Eismeer fließen, nach Süden, wo die Sonne ist und Bewässerung gebraucht wird, war lange Jahre das Ziel des sogenannten Dawydow-Plans. In der Mitte Sibiriens wäre dabei ein riesiges Meer entstanden. Man weiß bis heute nicht, ob dies eine ökologische Katastrophe oder ein Segen geworden wäre. Ein anderer Plan, der in Deutschland entwickelt wurde, von dem Erfinder und Ingenieur Dr. Sörgel, hat die Bezeichnung „Atlantropa“. Durch Austrocknung des Mittelmeers sowie einen gigantischen Damm bei Gibraltar und am Marmara-Meer sollte Neuland und eine Brücke nach Afrika geschaffen werden. Architekten wie Mies van der Rohe entwarfen Pläne für den Bau neuer Hafenstädte für dieses Projekt. Vom Kongo bis zum Nordkap sollte ein afrikanisch-europäischer Wirtschaftsraum geschaffen werden.

Mit diesen und anderen Plänen lehrt uns Bernd Ingmar Gutberlet das Staunen.


► Der koloniale Traum

kolonialismusDer Eisenbahnbau in den Kolonien galt als der Stolz Europas. Die Expresslinie Kapstadt-Kairo blieb aber so unvollendet wie die Zugverbindung Casablanca-Suez. Ein besonderes Kapitel ist: Deutsche Eisenbahnen in Afrika. Dipl.-Ing. Alfred Schliephacke. Einst Planer der Eisenbahnstraße von Deutsch-Südwest nach Deutsch-Ostafrika, berichtet.
Peter Berling als Dipl.-Ing. Schliephacke.

 


►Der Traum vom Sieg im Orient 1914/18

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Während die Fronten im Westen im Stellungskrieg verharrten gingen die Hoffnungen der Mittelmächte in den Nahen Osten. Es gab Pläne, Afghanistan zum deutschen Verbündeten zu machen, von Istanbul aus einen Heiligen Krieg der Araber gegen England anzuzetteln (das löste dann umgekehrt den Arabischen Aufstand des Laurence of Arabia aus) oder den Suez-Kanal zu sperren. Zu diesem Zweck hatten die Deutschen, aber auch die Regierung in Wien, starke Geheimdienstbüros nach Istanbul vorgeschoben. Hier wurde geplant und konspiriert. Spionage und Propaganda lagen in einer Hand.

Das Merkwürdige liegt darin, dass beide Geheimdienste, der deutsche und der österreich-ungarische, vor allem gegeneinander arbeiteten. Wien siegte dabei auf dem Gebiet der Propaganda haushoch über Berlin. Die reichsdeutsche Kulturoffensive mit Opern aus dem Coburger Staatstheater kam gar nicht an. Dagegen hatte die Czárdás-Fürstin aus Wien 1918 noch vierzig Vorstellungen in der osmanischen Hauptstadt. Die Wiener Truppe sollte im Dezember 1918 nochmals zurückkehren. Da war der Krieg schon abhanden gekommen.

Alexander Will hat die weitgreifenden, aber oft auch improvisierten Siegesvorstöße der Mittelmächte in den Orient in einer Untersuchung detailreich beschrieben. Er berichtet.

Spannend und informativ.


► “Weltbauen”, ein Architektentraum der Moderne

atlantropaAls Antwort auf die politische Katastrophe von 1918 und unter dem Eindruck von Oswald Spenglers DER UNTERGANG DES ABENDLANDES entwarf der Architekt Herman Sörgel eine gigantische, politisch-technische Architektur: die Vereinigung von Afrika und Europa zu einem einheitlichen Kontinent durch Absenkung des Mittelmeeres. Das Projekt hieß: Atlantropa. Es war die letzte Utopie des Abendlandes. Der Architekt und Stellvertretende Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt a.M., Dr.-Ing. habil Wolfgang Voigt, hat in einer eindrucksvollen Publikation diese großzügigen, utopischen aber nicht unrealistischen Planungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts porträtiert.