Neu im Catch-up Service: 1917 – Ein Was-Wäre-Wenn-Jahr

Im 1. Weltkrieg erweist sich das Jahr 1917 als eine Besonderheit. Es ist das Jahr, in dem sich entscheidet, dass die USA in den Krieg eintreten. Erst das gibt den Ausschlag für die Niederlage von 1918.

Es ist aber auch das Jahr, in dem das Deutsche Reich den 1. Weltkrieg auf kurze Zeit im Osten gewonnen zu haben scheint. Dies durch militärische Siege, aber auch die Revolution Lenins, zu dessen Programm ein unbedingter Friedensschluss mit Deutschland gehört. 1917 und Anfang 1928 reicht das deutsche Einflussgebiet über die Ukraine hinweg bis nach Tiflis. Paradoxerweise hat die Leitung des Deutschen Reiches das nicht bemerkt. Sie verlor alles im Sommer 1918.

1917 ist ein Jahr der Radikalisierung des Kriegs. Es ist „das Jahr, in dem sich jedes Fenster für einen Verständigungsfrieden schloss“.

Der Historiker Prof. Dr. Markus Pöhlmann, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam, berichtet.

Spannend und informativ.

► 1917 – Ein Was-Wäre-Wenn-Jahr (10vor11, Sendung vom 13.07.2015)


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► Die Schlafwandler

schlafwandlerDie Politiker Europas im Jahr 1914 nennt Christopher Clark, Historiker an der Universität Cambridge, in seinem viel diskutierten Buch: die Schlafwandler. Keiner wusste genau, was er tat. Keiner der Mächtigen strebte damals tatsächlich einen Krieg an. Aber auch keiner tat etwas, um ihn zu verhindern. Deshalb, sagt Christopher Clark, ist nicht die Frage, wer war schuld an dem fürchterlichen Krieg, das Interessante, sondern die Frage nach dem „Wie“:

Wie stolperte Europa und dann die Welt in diesen Krieg hinein? Kann sich so etwas in einem Konflikt im Nahen Osten wiederholen?


► Verdun – Die längste Schlacht der Weltgeschichte

verdunBereits eine Woche nach dem deutschen Angriff im Februar auf die Festung Verdun war für Strategen zu sehen, dass das Projekt gescheitert war. Trotzdem dauerte diese Schlacht länger als alle anderen. Verdun wurde zum Symbol für Irrationalität, ausgefüllt durch lauter angeblich rationale Einzelschritte.
Schon während des Geschehens, vor allem aber nach dem Krieg, haben die Verantwortlichen auf deutscher Seite die Schuldfrage an dem Desaster hin- und hergeschoben. Aus einer Denkschrift des deutschen Generalstabschefs wurde die Theorie entwickelt, es sei von Anfang an der Plan gewesen, „dem Feind an einer Stelle, an der er nicht ausweichen kann, Blut ab zu zapfen“. Man spricht daher von der „Blutpumpe von Verdun“.

Der Historiker Dr. Olaf Jessen weist nach, dass im Gegenteil das Projekt als Durchbruchsschlacht geplant war. Erst nachdem dieser Durchbruch scheiterte, wurde (als Ausrede) von der deutschen Führung behauptet, man habe gar nicht durchbrechen wollen.

Sämtliche Irrtümer und Charakterfehler einer militärischen Führung (hier sogar auf beiden Seiten) können an dieser Vernichtungsschlacht, die für keine der Seiten ein greifbares Ergebnis hatte, beobachtet werden. Im zweiten Jahr des 1. Weltkriegs: ein Laboratorium bitterer Erfahrung.

Olaf Jessen, Verfasser der „Urschlacht des Jahrhunderts“, im Gespräch.


►Der Traum vom Sieg im Orient 1914/18

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Während die Fronten im Westen im Stellungskrieg verharrten gingen die Hoffnungen der Mittelmächte in den Nahen Osten. Es gab Pläne, Afghanistan zum deutschen Verbündeten zu machen, von Istanbul aus einen Heiligen Krieg der Araber gegen England anzuzetteln (das löste dann umgekehrt den Arabischen Aufstand des Laurence of Arabia aus) oder den Suez-Kanal zu sperren. Zu diesem Zweck hatten die Deutschen, aber auch die Regierung in Wien, starke Geheimdienstbüros nach Istanbul vorgeschoben. Hier wurde geplant und konspiriert. Spionage und Propaganda lagen in einer Hand.

Das Merkwürdige liegt darin, dass beide Geheimdienste, der deutsche und der österreich-ungarische, vor allem gegeneinander arbeiteten. Wien siegte dabei auf dem Gebiet der Propaganda haushoch über Berlin. Die reichsdeutsche Kulturoffensive mit Opern aus dem Coburger Staatstheater kam gar nicht an. Dagegen hatte die Czárdás-Fürstin aus Wien 1918 noch vierzig Vorstellungen in der osmanischen Hauptstadt. Die Wiener Truppe sollte im Dezember 1918 nochmals zurückkehren. Da war der Krieg schon abhanden gekommen.

Alexander Will hat die weitgreifenden, aber oft auch improvisierten Siegesvorstöße der Mittelmächte in den Orient in einer Untersuchung detailreich beschrieben. Er berichtet.

Spannend und informativ.


► Kampf bis zur Selbstzerstörung – Die Idee eines totalen Kriegs im Oktober 1918

selbstzerstoerungVor dem Waffenstillstand 1918, der für Deutschland den ersten Weltkrieg politisch beendete, wurden Vorbereitungen für einen Endkampf getroffen, eine Fortsetzung des Kriegs bis zum Letzten. Die Vorschläge dafür kamen von Zivilisten, ganz entgegengesetzt zu der späteren Dolchstoßlegende. Sie kamen nicht vom Militär.

Prof. Dr. Michael E. Geyer, Historiker an der Universität von Chicago, berichtet über diese überraschenden Forschungsergebnisse.


► Frühling mit weißen Fahnen

fruehling-weisse-fahnenHandtücher, zusammengenähte Bettlaken, alles, was eine weiße Fahne darstellte, wurde zur Kapitulation genutzt. Das ist im April 1945 ein Kennzeichen der Stimmung: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Szenen aus jenen Tagen: die letzte intakte Panzertruppe, die letzte Wunder-waffe (die Rakete „Natter), der letzte Gärtner vom Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, die ersten Heimkehrer.

Hannelore Hoger als Trümmerfrau, die ihren Mann reparieren musste. Helge Schneider als Fallschirmspringer.

Spannend und informativ.


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Der Weltkrieg von 1914 bis 1918 enthält, wie ein Laboratorium, die Erfahrung darüber, wie ein ganzes Jahrhundert durch einen Zivilisationsbruch entgleist. Wer sagt uns, dass das 21. Jahrhundert nicht ebenfalls entgleisen kann? Eventuell aus anderen Gründen als 1914?

► Der Erste Weltkrieg auf dctp.tv (32 Filme)

–> Der Erste Weltkrieg (Magazinbeitrag)