Dürfen wir vorstellen? – Die Gründungsintendanz des Humboldt-Forums in Berlin

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Mit dem –> Humboldt-Forum in der Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses entsteht in der Hauptstadt ein Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft, welches das geistige Erbe von Alexander und Wilhelm von Humboldt im 21. Jahrhundert weiterführen soll. Wir von dctp.tv freuen uns besonders über die hochkarätige Gründungsinstanz: Hermann Parzinger, Horst Bredekamp und als jüngstes Mitglied Neil MacGregor.

Sehen Sie hier unsere Sendungen mit diesen einzigartigen Denkern.


► Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten (Neil MacGregor)

100objekteEine Geschichte der Welt in 100 Objekten: Das ist das Thema einer grandiosen Ausstellung in London. Neil MacGregor, der Direktor des Britischen Museums, stellt diese Objekte vor. In der Weltgeschichte haben sich die Herrscher und die herrschenden Völker in der Schriftform verewigt. Es kommt darauf an, sagt Neil MacGregor, den Stimmlosen in der Welt eine Stimme zu geben. Ihre Stimme besteht in Objekten, die von der Weltgeschichte anders erzählen, können als es die Epen tun.

Begegnung mit Neil MacGregor und einer legendären Ausstellung im Britischen Museum. Die Weltgeschichte in kürzestmöglicher Konzentration. Gespiegelt in Objekten, von denen jedes einzigartig ist. Jedes erzählt seine eigene Geschichte.

Spannend und informativ.


► Die Schule des Schwimmens für Herrscher (Horst Bredekamp)

schwimmen-herrscherHerrscher und ihre Chronisten entwickeln Bilder, die den Charakter ihrer Herrschaft einprägen. So zeigt sich Mao Tse-tung als Schwimmer im Gelben Fluss. Das Bild ging um die Welt. Aber schon Karl der Große war im 9. Jahrhundert berühmt für seine Schwimmkunst und seine Hofhaltung in den warmen Bädern Aachens, wo er mit 100 Besuchern und Genossen stundenlang im Wasser schwamm oder lagerte. Das Attribut des Fließens, der ungewohnte Aggregatzustand, in dem es auf das Gewicht des Schwimmers nicht ankommt, hat eine starke Suggestiv- und Symbolkraft.

Diese und andere Ikonen und Propagandabilder hat Horst Bredekamp, Literaturwissenschaftler an der Humboldt Universität zu Berlin, zum Gegenstand einer fesselnden Publikation gemacht.


► Die Kinder des Prometheus (Hermann Parzinger)

kinder-prometheusEs geht um die Evolution des menschlichen Gehirns. Physiologisch sind die Gehirne des frühen Homo Sapiens in Afrika etwa die gleichen wie die unseren heute. Anfangs sind es jedoch vermutlich noch keine „sozialen Gehirne“, die eine dem Menschen autonom gegenüberstehende Natur und das Denken im Kopf des Anderen wiederspiegeln. Der Fortschritt verläuft auch nicht linear. Vor allem gibt es die sog. „ökologische Bremse“, im Süden des Niltals (und andererseits in bestimmten an die See grenzenden Gebieten Grönlands) war das Nahrungsangebot so paradiesisch und derart ohne viel eigenes Zutun erlangbar, dass sich die Weiterentwicklung der dortigen Menschen verzögerte. Not dagegen machte stets erfinderisch und führte zu neuen Sprüngen der Entwicklung.

Fortschritte wie die Sesshaftigkeit waren dabei oft ambivalent. Zwar ergaben sich mehr Nachkommen, aber die Gefährdung durch Infektionskrankheiten nahm zu. Zunehmende Komplexität des sozialen Netzes geht einher mit Opfer-Riten und ist oft verschränkt mit Barbarei. Am Grunde der Zivilisation findet sich auch Grausamkeit.
Alle diese Entwicklungen zum modernen Menschen kommen aus Afrika. In extrem langen Zeiten, bei denen 1000 Jahre nur einen kurzen Moment darstellen, verbreitet sich der moderne Mensch über alle Gelände des Planeten.

In der monumentalen Arbeit von Hermann Parzinger mit dem Titel DIE KINDER DES PROMETHEUS erhält man einen plastischen Eindruck wie nah an uns heutigen Menschen und zugleich wie fern jene lange dunkle, aber oft auch hellsichtige und durch Erfindungen beleuchtete Geschichte der Menschheit ist. 5 Millionen Jahre wie ein Tag. Unsere Vorfahrin Lucy, die in den äthiopischen Bergen zur Halbzeit lebte, war nicht viel größer als ein Meter. Es löst Phantasie aus, wenn man sich die Folge von über 80.000 Generationen, jede mit Geburt und Tod, vorstellt, die alle gelebt haben, gewandert sind, Rückschritte und Fortschritte erlebt haben und schließlich in unseren Zellen weiterleben. Davon handelt die Archäologie. Sie ist eine starke Form der Geschichtsschreibung, eine Philologie, die nicht mit Wort und Schrift, sondern mit Spuren umgeht.

Die vorliegende Sendung ist der zweite und abschließende Teil der Begegnung mit Hermann Parzinger und seiner grundlegenden Untersuchung.

Spannend und informativ.