Heute Abend im TV: Aristoteles, Steuermann des Denkens (18.02.2015, 0:45 Uhr bei News & Stories auf SAT1)

Hellmut Flashar über den zeitlosen Realisten
Aristoteles, jünger als Plato, stellt dessen Ideenlehre vom Kopf auf die Füße. Seele und Sinn liegen nicht im Ideenhimmel, sondern inmitten aller Einzelheiten und Besonderheiten unserer Welt. Philosophie ist nicht allgemein, sondern konkret.
Das reiche Erbe, das in den Werken von Aristoteles niedergelegt ist (nur etwa die Hälfte seiner Texte blieb erhalten) erreichte Europa im Hochmittelalter, nicht direkt aus der Antike sondern über die arabischen Philosophen Spaniens. Ein erneuter Aristoteles-Schub fand in der Renaissance statt, als – nach Einnahme ihrer Stadt durch die Osmanen – wichtige Gelehrte aus Byzanz nach Italien flohen. Überraschend ist vor allem die Modernität im Denken des Aristoteles.
Der Philologe und Aristoteles-Forscher Prof. Dr. Hellmut Flashar berichtet über den zeitlosen Realisten.
 
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► Mimesis und Mimikry
mimesisArbeitsschwerpunkt von Prof. Dr. Peter Berz, Universität Wien, ist die Wissens- und Kulturgeschichte und zwar, wie er sagt, in einer vor-, nach- und anti-darwinistischen Perspektive. Das ist zugleich die Beobachtungsweise des legendären Strukturalisten Lévi-Strauss.
Besonders interessieren Peter Berz die MIMIKRY (Signalfälschung von Pflanzen oder Tieren, die für das eigene Überleben vorteilhaft ist) und die MIMESIS (literarisches Ideal der „Einfühlung“ seit Aristoteles). Die verblüffende Beobachtung von Peter Berz ist hierbei, dass Mimikry in der Biologie auch dann ausgeübt wird, wenn sie nicht dem Überlebenskampf, sondern der persönlichen Auszeichnung dient, also quasi künstlerisch angewendet wird.
Die biologische Natur, behauptet Peter Berz, ist eine Poetin.


► Salto Mortale der Philosophie
salto-bad-clownEin Beispiel für „Philosophie im Zirkus“: Salto Mortale! Wir sehen Helge Schneider beschäftigt mit Grundfragen des Denkens.
Warum, fragt z.B. Martin Heidegger, gibt es überhaupt das Seiende und nicht vielmehr das Nichts? Der Schriftsteller Karl May ergänzt das mit dem Satz: „Du Null, du Nichts, du Loch in der Natur.“ Der Dichter Heinrich Böll setzt die philosophische Frage mit dem Satz fort: „Der Feierabend des Nicht-Künstlers ist die Arbeitszeit des Clowns.“
Helge Schneider, Akrobat im Clownsgewand, erwidert: „Nichts, das ist mir schon zu viel.“
Zirkus muss Zirkus bleiben! Mit Musik. Mit Helge Schneider.
Spannend und informativ.


► Der Philosoph als fliegender Fisch
philosoph-fischBernard Stiegler, einer der führenden Denker Frankreichs über den Beruf des Philosophen. Stieglers Zeichen (auch Markenzeichen seines Instituts am Centre Pompidou) ist der „fliegende Fisch“. Aus ihrem Element, dem Wasser, springen fliegende Fische in ein fremdes Element, die Luft, um dann mit neuer Erfahrung wieder in ihrem Element einzutauchen. Erkenntnis geht immer über die Grenze hinweg und hat die reichsten Resultate unmittelbar an der Widerstandslinie zum Unbekannten, dem Fremden, dem Antagonismus.
Eines der Bücher von Bernard Stiegler hat den Titel LOGIK DER SORGE. Wie bei Derrida und Heidegger wird der Begriff „Sorge“ in verschiedenen Richtungen interpretiert: als Prinzip der Vorsicht und als Prinzip des Sich-Mühe-Gebens. Grundlage des Denkens ist für Stiegler das Begehren. Bei der Entwicklung der Intelligenz eines Kindes werden die Impulse des Kindes durch das Bild der Erwachsenen, vor allem der Mutter, gebrochen und „Trieb“ in „Begehren“ verwandelt. Dies ist die Arbeit der libidinösen Kräfte, der wahren Einwohner eines jeden Menschen. Sowohl die libidinöse Struktur wie die Prägung durch die Eltern nennt Stiegler ein „Pharmakon“. Es kann sich als Gift und als Heilmittel auswirken. Stiegler beschreibt, wie sich Werbung, Medien und Markt an den libidinösen Kräften in den Menschen bereichern. Der Markt akkumuliert nicht nur die ganzen Menschen, sondern die Elemente in ihnen, die das eigene Denken hervorbringen, für seine Ausbeutung. Um diesen Kampf Kapital versus Sorge, menschliche Lebenswelt gegen Kapitalwelt geht es Stiegler. Für ihn gehört die permanente Auseinandersetzung zum Beruf des Philosophen, so wie für den fliegenden Fisch der Sprung aus dem Wasser in die Luft und wieder zurück zum Leben gehört.
Begegnung mit Bernhard Stiegler in Paris. Spannend und informativ.


► Tod des Seneca
seneca-muellerSeneca war der Lehrer des Kaisers Nero und eine Zeit lang sein Minister. Danach befahl Nero dem Seneca, sich selbst zu töten. Die Einzelheiten dieses berühmten Todes hat Heiner Müller in einem seiner Texte beschrieben. Das Ideal der von Seneca begründeten philosophischen Schule heißt: „Ataraxia“ = unerschütterliche Ruhe. Ein Gespräch mit Heiner Müller.