Neu im Catch-up Service: Ukrainische Tragödie

Martin Aust über Tschaikowskis MAZEPPA, Oper in 3 Akten

Lord Byron schrieb eine Versdichtung über einen ukrainischen Herrscher im 17. Jahrhundert, der an der Unbeherrschtheit seines Charakters politisch scheiterte: eine ukrainische Tragödie. Puschkin entwickelte den Stoff weiter. Peter Tschaikowski komponierte daraus eine wenig bekannte, aber überaus starke Oper mit dem Titel MAZEPPA. Dies ist der Name jenes ukrainischen Herrschers, der alle im eigenen Lande gegen sich aufbrachte, sich mit dem Westler Karl XII. von Schweden verbündete und mit diesem von Peter dem Großen in der Schlacht von Poltawa besiegt wurde. Diese legendäre Entscheidungsschlacht, durch die die Ukraine zu Russland kam, steht im Mittelpunkt der Oper.

Der Historiker und Politologe Martin Aust kommentiert Tschaikowskis Oper. Er erläutert historische und aktuelle Hintergründe und Gegensätze auf den Gebieten, die heute West-Ukraine und Ost-Ukraine heißen, deren Ursachen bis heute wirksam sind. Der Archäologe Dr. Burkhard Böttger ergänzt diese Kommentare von der archäologischen Seite: Ukraine und Krim in der Antike.

Spannend und informativ.

► Ukrainische Tragödie (10 vor 11, Sendung vom 18.08.2014)


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► Vom Gegner lernen

gegner

Rivalität und Krieg sind so ernste Herausforderungen, dass Nationen, die einander als Feinde betrachten, ohne es zu wollen, vom Gegner lernen. So lernen z.B. die Deutschen aus den Niederlagen, die ihnen Napoleon zufügte, die Element der Französischen Revolution nachträglich kennen, ohne selber zu revolutionieren.
Russland hat Frankreich 1812 besiegt, aber in allen russischen Salons wird Französisch gesprochen.

Auch im 20. Jahrhundert wird vom Gegner gelernt. So übernimmt die junge Sowjetunion den Taylorismus und die industrielle Massenfabrikation vom kapitalistischen Gegner USA. Und so gibt es innerhalb des New Deal Roosevelts einen freiwilligen Arbeitseinsatz, die “ccc boys”, die ganz ähnlich aussehen wie der nationalsozialistische Reichsarbeitsdienst. Das Lernen erfolgt hier aber partiell, ohne dass der Faschismus übernommen wird.

Wie Menschen lernen (und dass sie nicht sicher entscheiden können, von wem sie lernen) gehört zu den interessantesten Themen der Theorie. Darüber berichtet Prof. Dr. Martin Aust (LMU), Herausgeber des Bandes VOM GEGNER LERNEN. Diesen Zusammenhang ergänzt er durch ein Darstellung der vier grundlegenden Arten menschlichen Lernens.

Spannend und informativ.


► Krieg ist ein Meister der Paradoxien

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Es werden Pläne gemacht, etwas ganz Anderes kommt heraus als beabsichtigt. Oft ist es das Gegenteil der Absicht. Diese Paradoxie gehört zu den Haupteigenschaften eines jeden Kriegs, ganz besonders herrscht Paradoxie im Großen Krieg 1914-1918.

Das Standardwerk über den Ersten Weltkrieg, das Herfried Münkler schrieb, mit dem Titel DER GROSSE KRIEG, zeigt bestürzend aktuelle Zusammenhänge. Die Erfindung des Giftgaseinsatzes, eine der “Errungenschaften” des Großen Kriegs, reicht bis zu Assads Giftgas in Syrien 2013. Das Problem Deutschlands und Österreich-Ungarns war das einer Mittelmacht. Je mächtiger sie ist (und das gilt wirtschaftlich und militärisch für das 1871 gegründete Deutsche Reich) desto mehr bringt sie alle umgebenden Mächte gegen sich auf. Sie isoliert sich und “wird eingekreist” durch die eigene Wucht, nicht bloß durch die Absichten der Anderen. Dies, sagt Herfried Münkler, ist heute das Problem des aufstrebenden Chinas. Je mächtiger es in Erscheinung tritt, desto intensiver bildet sich dort im Umkreis die Gruppe der verbündeten Gegner, die Anschluss an die U.S.A. suchen.

Geschichte wiederholt sich nicht, so Münkler, aber Konstellationen und Strukturen kehren überraschend wieder. Die Gegenwehr Russlands gegen “Interventionen raumfremder Mächte” in der Ukraine (als die Russland die EU, die NATO und die U.S.A. auffasst) erinnert den Historiker an die Monroe-Doktrin im 19. Jahrhundert, also die Abwehr, welche die Vereinigten Staaten gegen die europäischen Interventionen in der Nähe ihres Kontinents übten.

In dieser Hinsicht unterscheidet Münkler strategisches Lernen vom systemischen Lernen. Deutschland hat aus dem Ersten Weltkrieg nur eine Verbesserung seiner militärischen Beweglichkeit gelernt und die daraus im Zweiten Weltkrieg folgende Aggression bitter büßen müssen. Solches Lernen genügt nicht. Systemisches Lernen zeigt sich im Wiederaufbau nach 1949. Eine neue Realität wird angewählt und nicht an einer älteren neu gebastelt.

Herfried Münklers Darstellung des Großen Krieg ist reich an Erfahrung und aktuellem Bezug.

Spannend und informativ.